— Ich werde Dir gehorchen, antwortete ſie in einem Tone, der ziemlich traurig klang.
— Geſtern blieb ſie bis gegen Mitternacht dort, ſagte er ganz leiſe zu mir, in einem engen Zimmer bei einer Frau, die im Sterben lag.
„Während wir auf dem Ball waren!“ ſprach ich zu mir ſelbſt. Ich ergriff Alicens Hand und küßte ſie mit einer Empfindung, die der Gewiſſensangſt glich, obſchon ich ihr, Gott iſt mein Zeuge! weder mit Worten noch in Gedan⸗ ken irgend ein Unrecht that.
Alice machte einen ſchwachen Verſuch, an der Unterhal⸗ tung Theil zu nehmen, bald aber ſank ihr Kopf auf das Kiſſen ihres Lehnſeſſels zurück und ſie ſchlummerte ein. Ihre Hände waren zuſammengefaltet und dienten ihrem Kopfe zur Stütze. Bei der durchſichtigen Bläſſe ihrer Geſichtsfarbe erſchienen ihre feinen Züge wie ein Bild aus dem reinſten Marmor gehauen.
Heinrich und ich blieben noch eine Zeitlang bei ihr. Ihr regelmäßiges Athmen überzeugte uns, daß ſie in tiefem Schlafe lag; Heinrich ſtand auf und ſchloß die Fenſter⸗ läden halb zu; hierauf öffnete er die Thüre einer Hinter⸗ ſtube und bat mich, ihm zu folgen. Ich entſprach ſeinem Wunſche, indem ich meinen Hut und meinen Shawl zur Hand nahm und mich zum Fortgehen anſchickte. Aber mit leiſer Stimme ſagte er mir:„Jetzt, Ellen, kann ich endlich einmal ohne Zeugen, ohne eine Unterbrechung fürch⸗ ten zu müſſen, mit Ihnen ſprechen, und Sie m üſſen mich anhören!“
Ich antwortete im ſchärfſten Tone:
— Dieſe Tyrannei iſt unerträglich und ich will mich ihr nicht unterwerfen. Wenn, wie Sie mir oft zu ver⸗ ſtehen gaben, Sie die Macht und den Willen beſitzen, mich ins Verderben zu ſtürzen, das Bischen Glück zu zerſtören, das mir noch übrig bleiben könnte— ſo thun Sie's! ich bin in Ihrer Gewalt.
— In meiner Gewalt! rief er aus; in meiner Gewalt! Ellen, die Zeit iſt gekommen, wo Ihnen alles klar werden muß, wo keine Geheimniſſe zwiſchen uns obwalten ſollen.


