Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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griff, und fragte mich halb ſtrenge, halb zärtlich:Ellen, haben Sie mir nichts zu ſagen? Ich glaubte doch ge⸗ ſtern Abend?

O! geſtern Abend war ich faſt außer mir, unter⸗ brach ich ihn, mich zum Lachen zwingend. Ich ſprach Un⸗ ſinn mit Jedermann, und Sie müſſen mich nicht zur Re⸗ chenſchaft ziehen über das, was ich geſagt oder gethan haben mochte.

Er ſah mich kalt an, nahm eine Zeitung und ſetzte ſich wieder an den Tiſch. Ich blieb auf der Stelle zurück, wo er mich ſtehen ließ, heftete die Blicke auf ihn und ſann vergebens auf ein Mittel, ihn zu beſänftigen. Nur Aufrichtigkeit und Offenherzigkeit konnten mir ſeine Achtung wieder gewinnen. Aber wie konute ich aufrichtig und of⸗ fenherzig ſeyn? Was ſollte ich ihm ſagen, das meine Ver⸗ traulichkeit mit Heinrich zu entſchuldigen geeignet war und die Aufregung zu erklären vermochte, in welche mich ſeine Worte gebracht hatten? Nichts, nichts, als die Wahrheit allein, und dieſe Wahrheit! O wie überdrüſſig war ich dieſes ewigen Kampfes mit mir ſelbſt! dieſer immer wiederkehrenden Frage, mit deren Beantwortung ſich mein Geiſt umſonſt abquälte! Ich faßte endlich den Entſchluß, nicht mehr mit mir darüber zu Rath zu gehen. Ungedul⸗ dig ging ich im Zimmer auf und ab, und als Miſtreß Middleton eintrat und ein Billet in der Hand hielt, wel⸗ ches ſie mir zu leſen gab, war ich in der Stimmung, al⸗ les mit Begierde zu ergreifen, was dieſen qualvollen Ideen⸗ gang unterbrechen konnte. Das Billet kam von Heinrich: er ſchrieb ſeiner Schweſter, daß Alice unpäßlich wäre und daß es ihr Freude machen würde, wenn meine Tante oder ich ſie beſuchen wollte.

Werden Sie hingehen? fragte ich.

Willſt Du nicht ſelbſt hingehen, liebe Ellen? ant⸗ wortete ſie. Ich erwarte meinen Vater dieſen Mittag; Dein Beſuch wird ihr ohne Zweifel noch angenehmer ſeyn, als der meinige.

Iſt der Wagen unten? erwiederte ich. Nachdem ich mich davon überzeugt, ging ich die Treppe hinauf, um