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— Wie gefiel es Ihnen geſtern auf dem Ball, Ellen, fragte Mr. Middleton.
— Gar nicht, antwortete ich und ich fühlte, wie meine Wangen erglühten.
— Eduard, ſagte Miſtreß Middleton, Sie erneuerten geſtern Abend Ihre Bekanntſchaft mit Miſtreß Ernsley, nicht wahr?
— Ja, ich ſah ſie ſeit meiner Rückkehr nicht.
Er ſeufzte tief, als er dieſe unbedeutenden Worte ſprach, und ich konnte den Gedanken, der mir augzenblicklich in den Sinn kam, nicht unterdrücken, daß dieſer Seufzer mit irgend einer Hinterbringung der Miſtreß Ernsley in Be⸗ treff meines Aufenthalts in Brandon im Zuſammenhang ſtünde. Ich ſagte in gereiztem Tone:
— Ich kenne Niemand, mit dem ich nicht lieber ſpre⸗ chen möchte, als mit Miſtreß Ernsley; ſie iſt gewöhnt, über Leute und Dinge ſchief zu urtheilen.
Eduard ſah mich ſcharf an, und wieder fühlte ich, wie ich erröthete. In meiner Verlegenheit bemerkte ich, daß es zu heiß im Zimmer wäre und ſtand auf, um einen Schirm vor das Kamin zu ſtellen. Er erhob ſich gleich⸗ falls, um mir zu helfen und flüſterte mir dabei zu: „Warum ſchämen Sie ſich zu erröthen? Hierin zum wenigſten iſt Wahrheit.“ Ich öffnete den Mund nicht wieder, ſo lange das Frühſtück dauerte.
Als meine Tante das Zimmer verlaſſen hatte und mein Onkel ganz und gar im Leſen der Zeitungen vertieft war, näherte ſich Eduard dem Kamin, ſtützte den Rücken wider den Marmor, drehte meine Handſchuhe, die er vom Tiſche genommen, mit den Händen zuſammen und ſagte dann, als folgte er einem ſchnell gefaßten Entſchluſſe, plötzlich zu mir:„Kommen Sie zu mir, Ellen, ich bitte Sie!“
Ich ging ſogleich zu ihm, und mit einer Stimme, deren Demuthy ich wohl fühlte, obgleich ich ihr einen Ausdruck von Gleichgültigkeit und Heiterkeit zu geben verſuchte, ſagte ich zu ihm:„Geben Sie mir meine Handſchuhe, Eduard, Sie zerreißen ſie ja.“
Er behielt ſie noch einen Augenblick, als ich darnach


