Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
Einzelbild herunterladen

155

der Thüre ſtanden Sir Charles Wyndham und Eduard

Middleton.

Nie in meinem Leben folgte ich einem ſo plötzlichen An⸗ triebe, als in dieſem Augenblicke. Ich ſtürzte Eduard ent⸗ gegen. Mein Angeſicht glühte, meine Augen waren von Thränen geſchwollen. Ich ſtieß Sir Charles zurück, und Eduard's Arm ergreifend, flüſterte ich ihm zu:

Führen Sie mich irgendwo hin, wo ich mit Ihnen reden kann verurtheilen, verdammen Sie mich nicht!

Er ſprach kein Wort, aber er reichte mir den Arm, führte mich durch die von Gäſten überfüllten Räume bis zu dem Zimmer, wo Miſtreß Middleton ſaß, warf mich faſt auf einen Stuhl, der neben ihr ſtand, und verſchwand dann, ohne mir ein Wort oder einen Blick zu gönnen. Nachdem ich, wie von einer mechaniſchen Gewalt getrieben, eine Stunde lang getanzt und geſprochen hatte, gelang es mir, Miſtreß Middleton zum Nachhauſegehen zu bewegen. Während nach unſern Mänteln im Vorzimmer geſucht wurde, kam Heinrich wieder zu uns. Er hielt meinen Mantel in der Hand, als plöͤtzlich Eduard ſich näherte, ihm ruhig, aber faſt gebieteriſch denſelden wegnahm und ihn mir ſelbſt umhing.Das iſt ganz recht, bemerkte Sir Charles Wyndham,einem verheiratheten Manne muß man nie geſtatten, den Galanten bei jungen Damen zu ſpielen. Ich weiß nicht, ob einer von uns über dieſe Bemerkung lächelte, aber war es der Fall, ſo mußt' es ein ſeltſames Lächeln geweſen ſeyn.

Auf dem Heimweg fragte ich Miſtreß Middleton, nach einigen Augenblicken des Schweigens, ob ſie von Eduard's Ankunft in London unterrichtet geweſen ſey?

Wir erwarteten ihn in zwei oder drei Tagen, antwor⸗ tete ſie; ich glaube, daß er heute nur nach London kam, um morgen wieder aufs Land zu gehen.

Hat er mit meinem Onkel geſprochen? fragte ich. Nein, aber er wird morgen mit uns frühſtücken. Am folgenden Tag um eilf Uhr fand ich Eduard im

Speiſezimmer. Sein Händedruck war herzlich, aber er ſah

noch ernſter, wie gewöhnlich aus.