Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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aber um mich betrüben, wenn ich Ihnen nicht ganz gleich⸗ gültig bin, dann weinen Sie! Gott allein weiß, wie un⸗ glücklich ich bin!

Und wirklich ſtrömten reichliche Thränen aus meinen Augen und mit faſt erſtorbener Stimme richtete ich an Heinrich die Frage, welche ſo viele Tage auf meinen Lip⸗ pen ſchwebte und die ich nicht auszuſprechen wagte:

Warum haben Sie ſie geheirathet?

Er ſah mich einige Minuten feſt an, dann ſagte er:

Ellen, der Tag wird kommen, wo ich dieſe Frage beantworten werde und eine andere noch, welche Sie an mich thun möchten, wozu Ihnen aber die Worte und der Muth fehlen. Wir haben uns viel einander zu ſagen; es gibt vielleicht etwas, was wir für einander thun können, aber dann darf ſich keine Zurückhaltung, keine Kälte, kein falſcher Stolz, keine übertriebene Sprödigkeit in unſer Verhältniß miſchen. Sie müſſen ſich mir dann unbedingt vertrauen, wie ich mich Ihnen vertrauen werde. Wir ha⸗ ben beide Geheimniſſe, die ſchwer auf uns laſteten und uns das Schweigen und die Einſamkeit unerträglich mach⸗ ten. Dann werden Sie ermeſſen können, was ich gelit⸗ ten habe! Ellen, Sie ſollen mein Geheimniß erfahren ich kenne das Ihrige.

Stille, ſtilley! rief ich heftig und voll Beſtürzung um mich blickend. Aber ich bemerkte, daß wir allein waren. Alle, welche ſich im Zimmer befanden, als wir in daſſelbe traten, hatten ſich nach und nach zurückgezogen und die Tönc der Muſik und das Geräuſch der Stimmen drangen nur ſchwach zu dem Orte, wo wir waren. Ich bedeckte mein Geſicht mit den Händen und ſtammelte: Reden Sie!

Ellen, fuhr Heinrich fort, Ellen, ich ſchreckte Sie mit Drohungen, ich quälte, ich marterte Sie; aber ſo oft ich es that, ward ich von der Gewalt des Gefühls, das mich beherrſcht, dazu getrieben, und wenn Sie alles er⸗ fahren werden, wenn Sie erfahren werden, unter welchem Einfluſſe, mit welchen Hoffnungen, mit welcher Seelen⸗ angſt ich handelte

Er hielt plötzlich inne; ich ſah auf, und vor uns unter