willig an, Ellen, meine Worte ſind bitter, aber ich bin nicht bitter gegen ſie. Ich würde in dieſem Augenblick alles, was ich beſitze, darum geben, wenn ich ſie frei ma⸗ chen und ſie, entfeſſelt von verhaßten Banden, einem Da⸗ ſeyn zurückgeben könnte, das ihr ein beſſeres Loos ver⸗ heißen würde. Aber der Wurf iſt gethan! nun müſſen wir uns ſchon zuſammen durch das traurige Leben ſchleppen!
— Aber Heinrich— lieber Heinrich! rief ich aus; warum verſuchen Sie's nicht, ihre Liebe zu gewinnen? Wenn Sie glauben, jetzt nicht von ihr geliebt zu wer⸗ den, ſo würde ſie—
— Und wenn ſie mich liebt? unterbrach er mich; wenn ſich in dieſem ruhigen Gemüth etwas bewegte, was einem Gefühl ähnlich ſieht, wenn ein Funke von Leidenſchaft auf dieſe Eisfläche fiele und ſie in lebendiges Feuer verwan⸗ delte, wenn ich blindlings meiner Schweſter Rath folgend, dieſes Kind voll Einfalt in die Welt und in eure Geſell⸗ ſchaft brächte, damit ſie lernte, was es heißt: lieben und geliebt werden, damit ſie hörte, wie ſchön ſie ſey und ſich einreden ließe, daß ihr Mann ſie wie ſeinen Augapfel lie⸗ ben, ſie ſtets im Herzen tragen und jedes Haar ihres Hauptes ein unſchätzbares Gut für ihn ſeyn müßte!— wenn ſie das alles anhörte und dann zu Hauſe ihres Mannes Blick abgewendet, den Ton ſeiner Stimme kalt, ſeinen Geiſt abweſend fände und endlich einſehen lernte, daß ihrer Schönheit Reiz für ihn ſo ganz und gar ver⸗ loren ſey, als ob er blindgeboren wäre, Ellen, glauben Sie, daß ſie das ertragen könnte? Würde ſie nicht den Tag ihrer Geburt verfluchen, wie den Tag ihrer Verhei⸗ rathung? Würde ſie nicht vielleicht auf einen Irrweg ge⸗ rathen, der in Schande und Elend endet? Oder wenn ihre Religion ſie eine ſolche Klippe vermeiden ließe, würde ſie nicht wieder zu ihren Armen, zu ihren Blumen, zu ih⸗ ren Vögeln, aber mit gebrochenem Herzen und tief ver⸗ wundeter Seele zurückkehren? Sie weinen, Ellen? weinen Sie nicht über ſie. Jetzt iſt ſie ruhig und gkücklich, und ich bete zu Gott, daß ſie lange ſo bleibe: wenn ſie ſich


