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Ihrer Handlungsweiſe als Ehemann. Es gibt Entſchul⸗ digungen für unwillkürliche Gefühle in uns, aber gewiß keine für eine vorgefaßte, ſyſtematiſche Vernachläſſigung.“
— Vernachläſſigung! erwiederte er, das Wort iſt leicht geſagt. Würden Sie mir wohl eben ſo leicht eine Me⸗ thode ſagen können, nach welcher ich mein Benehmen ein⸗ zurichten hätte?
— Ihr Gewiſſen, wenn Sie eines haben, muß Ihnen hier den rechten Weg zeigen, antwortete ich ungeduldig.
— Und verlangen Sie wohl von mir, entgegnete er mit einem Ausdruck bitterer Ironie, daß ich mich während der einen Hälfte des Tages damit beſchäftige, die Vögel im Square zu füttern und während der andern Hälfte, Krankenwärter zu ſeyn? Soll ich vielleicht Charpie zup⸗ fen und Kinderkleidchen auswählen lernen?
— O meinl rief ich. Ich dachte nie daran, daß Sie Alicen nachahmen könnten oder jemals in Ihrem Leben das Gute zu thun im Stande wären, was ſie an einem Tage thut. Wenn Sie ihr aber mit Vertrauen und Güte entgegenkommen, wenn Sie ſie behandeln würden, wie ſie behandelt zu werden verdient— hut Dann würde ſie mich lieben— was ſie jetzt nicht thut!
— Ich bin überzeugt, daß Alice Sie liebt.
— Nein, ſie liebt mich nicht, antwortete er nicht ohne Wehmuth. Das nenne ich nicht Liebe, was nie die Stimme erbeben, nie das Herz ſchlagen läßt. Gibt es eine Liebe, die ſich durch keine Regung verräth, Ellen? Gibt es eine Liebe, welche die Ruhe der Seele, die Hei⸗ terkeit des Gemüths nimmer ſtört?
— Ihnen iſt eine ſolche Liebe fremd, vielleicht auch mir, Heinrich. Aber laſſen Sie uns nicht reinere und edlere Naturen nach den Verirrungen unſerer überſpannten, un⸗ gezähmten Gefühle beurtheilen. Ja, ja, Alice liebt Sie!
— Sie liebt mich, wie ſie ihre Großmutter liebt, ihren Bruder Johnmy und faſt alle Kinder und Bettler im Square. Entſchuldigen Sie mich, wenn ich einen andern Begriff von Liebe habe. Sehen Sie mich nicht ſo un⸗


