Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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mich ganz unnöthig, wenn Du nicht abläſſeſt in mich zu dringen.

Miſtreß Middleton begnügte ſich keineswegs damit, ih⸗ rem Bruder über dieſe Wunderlichkeit Vorſtellung zu ma⸗ chen; ſie nahm den Gegenſtand wieder auf, als wir uns eines Morgens bei Alicen befanden. Sie ſuchte ihr begreif⸗ lich zu machen, daß ſie ihrem Manne zu Liebe der Geſell⸗ ſchaft ſeiner Freunde nicht entſagen ſollte, aber Alice ant⸗ wortete ihr ganz verwundert, daß ſie durchaus nicht ab⸗ geneigt wäre, mit Heinrich's Freunden bekannt zu wer⸗ den und daß ſie ſich in alle ſeine Wünſche gerne fügen würde. Miſtreß Middleton ſah nun recht wohl ein, daß ihre Zurückgezogenheit nicht in ihrem Willen und in ihrer Neigung lag. Auf dem Heimweg ſchien meine Tante in Gedanken verſunken. Zu Hauſe trafen wir Heinrich; ſie begrüßte ihn ungewöhnlich kalt.

So oft wir in Geſellſchaft gingen, trafen wir Heinrich; er ſuchte mich ſtets im Auge zu behalten, und vermittelſt ſeiner Blicke, einiger ſchnell hingeworfenen Worte oder plötzlicher Veränderung des Tons und Benehmens, ver⸗ fehlte er zugleich niemals, mir ſeine geheimen Gefühle kund zu geben. Dieſe Gefühle und die Art ſeiner Sprache wechſelten von Tag zu Tag. Zuweilen phantaſtiſch, faſt wild in ſeinen Benehmen, glich jedes ſeiner Worte einer Drohung. Ein ander Mal ſchien er ſich nur zu bemühen, Vertraulichkeit und Innigkeit zwiſchen uns herzuſtellen. Bei einer dieſer Gelegenheiten traf ich ihn auf einem Ball bei Lady Wyndham, die ich in Dorſetſhire kennen gelernt hatte. Ich tanzte mit ihm, und wir gingen nachher in ein Zim⸗ mer, wo es weniger heiß war. Mehrere Perſonen ſtanden an einem Tiſch, der mit Kupferſtichen, Albums und Carri⸗ caturen bedeckt war Wir ſetzten uns auf ein Sopha am Fenſter, ſprachen über unbedeutende Dinge und zufällig kam die Rede auf ſeine Frau. Ich ſagte ihm, daß ich ſein Benehmen gegen ſie nicht begreifen könnte.Ich rede jetzt nicht von Ihren Gefühlen und Ihren Neigungen, ſetzte ich ſchnell hinzu,obgleich, Gott weiß es! dieſe allein ſchon genug in Staunen ſetzen könnten, aber ich rede von