Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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andern herum, ohne daß es zu einer Erklärung zwiſchen uns gekommen wäre. Das beabſichtigte Diner ging beſſer vorüber, als zu erwarten ſtand. Mr. Middleton und Mr. Lovell wurden beide von Alicens Schönheit, Natürlichkeit und von der Armuth ihres ganzen Weſens bezaubert. Augenſcheinlich fühlten ſie ſich unwiderſtehlich zu ihr hinge⸗ zogen, und je mächtiger dieſer Eindruck war, der ſeden Zweifel, jedes Mißtrauen fern hielt, deſto unbegreiflicher war ihnen die Kälte und Gleichgültigkeit, womit Heinrich ſie zu behandeln ſchien. Die Entrüſtung der beiden Her⸗ ren war daher faſt größer, als ſie bei der Nachricht von ſeiner Heirath geweſen war. Ich bewunderte Alice von Grund meines Herzens; für mich war ſie das Sinnbild. der Reinheit, das Ideal der Vollkommenheit, und doch ſuchte ich ſie nur ſelten auf. Da ich es nicht vermeiden konnte, mit Heinrich in ſeinem Hauſe zuſammenzutreffen, ſo ſcheute ich mich hinzugehen. Dieſer hingegen kam oft nach Brook⸗Street; Alice begleitete ihn nur ſelten: ent⸗ weder wollte er kein innigeres Verhältniß zwiſchen uns begünſtigen und ſuchte ihr Hinderniſſe in den Weg zu le⸗ gen, oder Alice ſelbſt mochte nicht gern den gleichfoͤrmigen Lauf ihrer täglichen Beſchäftigungen und Freuden unter⸗ brechen, um ſich in unſere, von der ihrigen ſo durchaus verſchiedene Lebensweiſe zu fügen. Wir gingen von nun an oft in Geſellſchaft, und Miſtreß Middleton machte ihrem Bruder den Vorſchlag, Alice mit⸗ zunehmen. Heinrich weigerte ſich auf das entſchiedenſte. Als ſeine Schweſter, faſt beleidigt, in ihn drang, ihr die Be⸗ weggründe ſeiner abſchlägigen Antwort mitzutheilen, er⸗ wiederte er, daß Alice in Betreff dieſes Gegenſtandes ei⸗ gene Ideen hätte, welchen er nicht entgegenwirken wollte. Aber woher bekam ſie dieſe Ideen? fragte Miſtreß Middleton, auf ihrem Verlangen beſtehend. Es iſt doch wahrlich Schade für Dich und für ſie ſelbſt, daß ſie Dei⸗ nen Freunden fremd bleibt, während Du mit ihnen um⸗ geheſt wie vor Deiner Verheirathung. Möglich, daß es Schade iſt, Mary, antwortete er ungeduldig, aber ich kann's nicht ändern, und Du quälſt