Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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143 den. Ich wollte ihn zurückrufen, aber mein Onkel und

meine Tante traten ins Zimmer und ich zog mich nach dem meinigen zurück, um wieder eine faſt ſchlafloſe, un⸗ heimliche Nacht in peinlichen Gedanken zuzubringen.

Um ſechs Uhr in der Frühe ſchreckte mich das Geräuſch der Wagenräder aus einem ängſtlichen Schlummer auf, in welchen ich gegen Morgen aus Erſchöpfung gefallen war. Ich verließ ſchnell das Bett, eilte ans Fenſter, öff⸗ nete die Läden und bemerkte Eduard's Wagen, welcher die Allee herabgefahren kam und den unſrigen, der reiſe⸗ fertig im Hofe ſtand. Ich war froh, daß auch wir reiſ'ten, froh, daß wir nach London reiſ'ten, froh, daß ich ohne Bangen an etwas denken, von etwas ſprechen, etwas thun konnte! Froh! Welcher Mißbrauch eines Wortes! Gott weiß! daß an dieſem Morgen nichts Fröhliches in mei⸗ nem Herzen war, aber ich empfand etwas, was wir in⸗ mitten des Geräuſches und der Bewegung um mich herum, vergönnte, mich ſelbſt zu vergeſſen. Mein Onkel und meine Tante wurden nicht gewahr, daß zwiſchen Eduard und mir etwas vorgefallen war. Sie gedachten ſeiner mehrere Mal im Laufe des Tages und ſprachen davon, daß wir ihn in London binnen drei Wochen wiederſehen würden.

Abends um ſieben Uhr kamen wir nach London, wo ich ſeit mehreren Jahren nicht geweſen war. Die Rieſenſtadt, der ununterbrochene Lärm der Wagen, die drückende At⸗ moſphäre ließen mich glauben, als lebte ich in ein ande⸗ res Leben, und als ich mich, betäubt von der Reiſe, in das kleine Speiſezimmer eines Hauſes in Brook⸗Street niederſetzte, überzeugte mich nur das Mißbehagen, welches mir der Gedanke einflößte, wie jeder Augenblick Heinrich in meine Nähe führen könnte, daß in mir und in meinem Schickſale keine Veränderung vorgegangen wäre. Ermü⸗ det, bat ich gleich, nachdem wir geſpeiſ't hatten, um die Erlaubniß, zu Bette gehen zu dürfen und in tiefem Schlafe vergaß ich einige Stunden Alles, was ich gelitten, Alles, was ich zu fürchten hatte.