Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
Einzelbild herunterladen

141

men Einige Augenblicke ſtand er ſtillſchweigend neben mir und ſagte dann:

Ellen, ich glaube, bevor wir uns, wenn auch nur auf kurze Zeit trennen, wird es gut ſeyn, wenn wir uns über ſo Manches verſtändigten. Schon lange liebe ich Sie; ich entſagte Ihnen und verließ England, weil ich glaubte, daß Heinrich Ihr Herz beſäße. Vergebens be⸗ mühte ich mich, Sie zu vergeſſen. Darf ich jetzt hoffen, Ellen? Wollen Sie für mich ſeyn, was Sie mir allein ſeyn können das Glück welches ich höher ſchätzen würde, als alle Güter der Welt? Wollen Sie mein Weib werden?

Ich ſah ihn an; er war bleich und ſeine Augen waren voll Thränen. Als ich die meinigen zu ihm erhob, wußte ich, fühlte ich, daß ſie eine ſo leidenſchaftliche, innige Liebe ausſprachen, daß, als ich ihm mit einer kaum vernehmba⸗ ren Stimme in gebrochenem Tone der Verzweiflung ſagte: Nein, ich kann Ihre Frau nicht werden! es mir vor⸗ kam, als müßte er in meinem Herzen geleſen haben.

Er nahm mich bei der Hand und fragte mit leiſer Stimme:Warum?

Weil, rief ich, in Thränen ausbrechend, weil ich durchaus Ihrer unwürdig bin.

Er ließ meine Hand fallen, und ſchien mit ſich ſelbſt zu kämpfen; endlich ſagte er:

Ellen, wenn Sie mir dadurch zu verſtehen geben wollen, daß Sie nun fühlen, daß Heinrich Ihnen nicht ſo gleichgültig war, als Sie zu einer andern Zeit glaubten, wenn Ihr Herz noch einige Liebe für ihn empfindet, ſo iſt's gewiß eine ſchmerzliche Prüfung für mich dies zu hören. Wenn Sie mir es aber frei und offenherzig ge⸗ ſtehen, ſo werde ich nicht aufhören, Sie zu achten, Sie zu lieben. Seine Stimme zitterte, indem er die letzten Worte ſprach. Ich will Sie auf einige Zeit verlaſſen. Sie müſſen bald, Sie werden bald dies Gefühl beſiegen, und dann vielleicht nur ſagen Sie mir die Wahr⸗ heit, Ellen das einzige, was meine Liebe zerſtören könnte, würde die Ueberzeugung ſeyn, daß Sie mich ge⸗ täuſcht hätten, daß Sie mich täuſchen konnten.