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hatte etwas Fieber. So oft Eduard mit mir ſprach, em⸗ pfand ich einen Schauer, und wenn ich ſelbſt redete, geſchah es in krankhaft nervöſer Aufregung. Zuletzt ward er ver⸗ ſtimmt, und als er ſtehen blieb und mir die Hand reichte, um mich über den Steg am Eingang des Kirchhofes zu führen, las ich auf ſeinem Angeſichte jenen Ausdruck von ſtrengem Ernſte, den ich zu kennen und zu fürchten gelernt hatte. Wir traten in die Kirche, der Gottesdienſt hatte bereits begonnen. Es war, wie es der Tag verlangte, ein feierlicher, ernſter Gottesdienſt Die Epiſtel dieſes Ta⸗ ges, die Erinnerung, daß die Chriſten durch den Sieg über die Sünde Begnadigung vor Gott zu erlangen ſu⸗ chen ſollten, die Bußpſalmen, die den Angſtruf eines wunden, niedergebeugten Herzens ſo rührend verkün⸗ den, ergriffen meine gleichgeſtimmte Seele mit wunderbarer Gewalt. Es ſchien mir, als ob jedes Wort, das geſpro⸗ chen wurde, an mich allein gerichtet wäre. Mein Geiſt ward immer verwirrter. Endlich, als ich es am wenig⸗ ſten erwartete— denn ich hatte niemals dem Aſchermitt⸗ wochsgottesdienſte die geringſte Aufmerkſamkeit gewidmet — hörte ich auf einmal eine Stimme, welche mich meine erſchütterten Nerven für eine übernatürliche halten ließen, folgende Worte ſprechen:
„Brüder in der erſten chriſtlichen Kirche beſtimmte ein heiliges Geſetz, daß beim Beginn der Faſten alle der Sünde überführten Perſonen ſich einer öffentlichen Buße unterwerfen mußten, damit durch die Strafe in dieſer Welt, ihre Seelen erlöſ't werden möchten am Tage des Gerichts, und damit andere, gewarnt durch ihr Beiſpiel, immer gottesfürchtiger würden.“
Ich glaube, daß ich in dieſem Augennlicke in die Knie ſank; nichts war mehr deutlich bewußt, als daß bald nach⸗ her die feierliche Verdammniß Gottes über die unbußfer⸗ tigen Sünder ausgeſprochen ward. Und eine Stimme, die des Prieſters auf der Kanzel, rief:„Verflucht ſey der, welcher ſeinen Nächſten heimlich ſchlägt!“ Ich hörte die Antwort der Gemeinde nicht mehr, aber mir zur Seite vernahm ich ein brünſtiges Amen, und dieſes Amen er⸗


