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nug! Aber ach! lag nicht, wie Heinrich ſagte, ein Ab⸗ grund zwiſchen uns, der uns auf ewig trennte? Meme Augen füllten ſich bei dieſer Erinnerung mit Thränen; ich trocknete ſie ſchnell, als ich mit meinem Onkel in den Speiſeſaal ging. Eduard erzählte von ſeinen Reiſen, von mehreren Perſonen, mit denen er in Frankreich und Ita⸗ lien bekannt geworden, von der engliſchen Politik und von der bevorſtehenden Parlamentseröffnung. Dieſe Gegen⸗ ſtände intereſſirten mich im Ganzen nicht ſehr, aber demungeachtet lauſchte ich auf jedes Wort aus ſeinem Munde mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit.
Am Abend bat er mich zu ſingen. Den Kopf auf die Hand geſtützt, ſaß er neben mir und hörte ruhig auf die aus früheren Tagen ihm wohlbekannten Lieder und Ge⸗ ſänge. Mein Herz ward mir ſo voll daß mir die Stimme zuletzt verſagte und ich kaum im Stande war, vor Thrä⸗ nen aus den Augen zu ſehen. Da erhob er raſch den Kopf und ſah mich ernſt und ſtrenge an.„Meine Nerven ſind nur etwas gereizt,“ ſprach ich zu ihm;„ich habe ei⸗ nen langen Spazierritt gemacht, der mich ſehr ermüdete.“
— O ich bitte, erſparen Sie ſich dieſe Erklärungen, antwortete er.„Entſchuldigungen ſind durchaus unnöthig.“ Und er ging ſogleich von dem Pianoforte weg
Eduard ſprach dieſen Abend nicht wieder mit mir; aber am Tag darauf benahm er ſich ganz ſo wie früher, ja, er war vielleicht herzlicher als jemals.
Bis jetzt unterließ ich es, Eduard zu ſchildern, und ich befürchte, daß mir der Verſuch mißlingen wird. Er glich Niemanden und doch war es ſchwer, etwas Beſonderes an ihm zu bemerken. Was ſeinen Charakter auszeichnete, war nicht nur Wahrheit, es war Wirklichkeit Er war nie, konnte nie etwas anderes ſeyn, als er ſelbſt, und wie alle vollkommen wahrhafte Charaktere, vermochte er die nicht zu begreifen, die nicht ſo waren. So beurtheilte er andere entweder zu ſtreng, oder zu milde, in der Un⸗ möglichkeit, ſich an ihren Platz zu ſtellen. Sein Beneh⸗ men war ſtets ruhig, und ſo tief er auch fühlte, ſo er⸗ ſchien er doch nie heftig aufgeregt. Wenn andere zornig


