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ich hätte ſie ums Leben gebracht. Von einem Zorn⸗
efühl überwältigt, aber willenlos, ohne ſtrafbare Abſicht,
ſieeß ich ſie nur allzu heftig zurück— und nun welkte
meine Jugend in Thränen dahin; der Friede meiner Seele war auf ewig entflohen! Die Quelle aller reinen Freu⸗ den, aller heiligen Gedanken verſiegte in mir! Ich konnte nicht mehr ohne Angſt weilen inmitten der feierlichen Stille der Nacht, noch wie ehemals glauben, im Rauſchen des Windes Stimmen aus einer beſſern Welt zu hören! Und an jenen Tagen einer unausſprechlichen Herrlichkeit, wo Ströme Lichtes die Aunen blenden, wo ſich die ganze Na⸗ tur in harmoniſche Klänge und ſüße Düfte aufzulöſen ſcheint, ſollte ich mich nicht mehr, wie ſonſt, mit dieſer Schöpfung voll Pracht vereiniget fühlen, nicht mehr mit trunkenem Herzen, in feuriger Andacht niederfallen dürfen vor ihm, der den Bächen und den Bewohnern der Luft eine Stimme gab, um ihn zu loben, dem funkelnden Ster⸗ nenhimmel gebot, ſeinen Ruhm zu verkünden, und der dem Menſchen endlich die Begeiſterung, die Liebe, die Poeſie, die Muſik— Alles verlieh, was die Seele über ſich ſelbſt und die ſie umgebende materielle Welt in die unendlichen Räume einer Geiſterwelt erhebt.
Von nun an ſollte ein eiſernes Band ewig meine Seele umfangen; eine ſchwarze Erinnerung ſich ſtets zwiſchen mich und das Himmelslicht drängen; eine Klage, gleich der eines Sterbenden, eine Stimme, wie die des Todes ſich in die Klänge der Melodie, in die Stimme der Liebe, in die Töne der Freundſchaft miſchen! 4
Ich weinte über mich ſelbſt, über meine troſtloſe Jugend, über mein zerſtörtes Glück, über meine verlorene Unſchuld. Und ich zählte erſt ſechzehn Jahre!
Ich brachte die lange Nacht auf derſelben Stelle zu. Der ſchwere Schlaf der Erſchöpfung hatte meine Tante überwältigt; ihre Hand lag in der meinigen, ihr Kopf ruhte auf meiner Schulter. Ich vermied die geringſte Be⸗ wegung und wagte kaum zu athmen. Als das Licht des Tages langſam anfing, in das Trauerzimmer zu dringen, ſchloß ich die Augen, um nicht die Sonne in ihrer maje⸗


