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vorüber. Herr Middleton trat haſtig ein; ſie ſah ihn an und ſtieß einen Schrei aus, denſelben Schrei des Entſetzens, welchen ich ſchon einmal gehört.— Er ergriff ihre Hände, die ſie in Verzweiflung rang, und ſeinen Arm um ſie ſchlingend, ſagte er ihr mit leiſer Stimme:„Nun, Marie, iſt Alles vorbei! Laß mich nun ſehen, daß Du an Gott glaubſt.“ Sie ſträubte ſich einen Augenblick, ihre Bruſt hob ſich krampfhaft, ein heftiger Nervenanfall erfolgte, den ein reichlicher Thränenſtrom beruhigend vorüber führte. Ihr Mann brachte ſie aus dem Zimmer. Als ſie ſich ent⸗ fernt hatten, näherte ſich die Beſchließerin dem Sopha, auf welchem ich unbeweglich lag. Eine meiner Hände er⸗ greifend, fragte ſie:„Wo waren Sie denn, als das arme Kind hinabſtürzte?“
Ich erhob mich mit einem Ungeſtüm, als ob ſie mich ge⸗ ſchlagen hätte; ich ſtürzte aus dem Zimmer, und eilte durch den Hausflur und mehrere Seitengänge nach meinem Schlaf⸗ gemach, worin ich mich einſchloß. Hier fiel ich auf die Knie nieder, lehnte meine Stirn wider eine Bettſäule und drückte meine Schläfe mit beiden Händen ſo feſt zuſammen, als wollt' ich den Pulsſchlag derſelben aufhalten. Wäh⸗ rend zwei oder drei Stunden, die hierauf vorübergingen, fuhr ich, ſo oft an meine Thüre geklopft wurde, ſo heftig zuſammen, als ob der unvermuthete Donner einer Kanone mein Ohr getroffen hätte. Jedesmal wenn ich öffnete, glaubte ich angeklagt zu werden, Juliens Tod verſchuldet zu haben und die Worte hören zu müſſen:„Du haſt ſie um's Leben gebracht!“ Einmal vernahm ich den Tritt meines Onkels; ich öffnete das Fenſter und war im Be⸗ griff, mich in die Tiefe hinabzuſtürzen. Doch ſeltſam! was mich davon abhielt, war die Beſorgniß, den Schmerz der Miſtreß Middleton noch zu vermehren. Ich bilde mir ein, daß das Uebermaß meiner Furcht, angeklagt zu werden oder mich ſelbſt zu verrathen, mich vor einer Hirnentzün⸗ dung gerettet hat; die Gewalt dieſer Furcht beherrſchte ſo⸗ gar die Ausbrüche meiner Verzweiflung, und, um ruhig zu ſcheinen, ward ich wirklich ruhig. Ich nahm einige Nah⸗ rüng zu mir, weil mir ein natürliches Gefühl ſagte, daß
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