Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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ſollen wir aber thun? erwiederte mein Onkel; bei wem könnten wir Ellen unterbringen?

Kaum athmend horchte ich jetzt, um die Antwort zu hö⸗ ren. Es dünkte mich, als hinge mein Leben davon ab. Ich hielt den Athem an und alle meine Glieder bebten.

Wir könnten ſie auf ein oder zwei Jahre in irgend eine gute Penſion ſchicken, entgegnete Miſtreß Middleton. Dieſer Ausweg iſt ohne Zweifel unangenehm; doch Juliens Geſundheit muß uns über Alles gehen.

Mehr wollte ich nicht hören. Meinen Hut ergreifend, lief ich haſtig durch die Veranda, bis ich zum äußerſten Ende derſelben gekommen war. Hier fiel ich auf die Knie und ſtützte meinen Kopf wider das Geſtein der Bruſt⸗ lehne. Meine Stirnadern ſchwollen an, als ob ſie zer⸗ ſpringen wollten, und es dünkte mich, als wenn ich aus einem ſüßen Traume zu einer Wirklichkeit erwacht wäre, die mein empörtes Gefühl kaum für möglich hielt.

War dies wirklich meine Tante, war dies Miſtreß Middleton, die von einer Trennung von ihr ſprach, die mich aus Elmsley verbannen wollte? War ſie es, die es ausſprach, daß ich nichts in ihren Augen wäre im Ver⸗ gleich mit dem egoiſtiſchen Weſen, über das ich mit ſo viel Sorgfalt gewacht, deſſen Laune ich aus Liebe für ſie mit ſo viel Geduld ertragen hatte?

Ja, es war nur allzu wahr, ich galt nichts bei ihr! ich fühlte mich davon überzeugt, und bei dieſem Gedanken ſchien es mir, als ob eine tödtliche Kälte durch meine Adern liefe und mein Herz erſtarren machte.

Ich habe mich oft gefragt, ob in jedem Menſchen das Gefühl geiſtigen Leidens eben ſo eng verbunden ſey mit dem phyſiſchen Schmerz, wie dies bei mir der Fall iſt. Der Ausdruck: Herzweh ſchien mir immer, ſowohl im buchſtäblichen als figürlichen Sinne Geltung zu haben; denn es gibt einen herben phyſiſchen Schmerz, welcher ge⸗ wiſſe Gemüthsbewegungen begleitet, und welcher ſich durch ſeine Eigenthümlichkeit von dem Gefühle eines noch ſo tie⸗ fen Kummers unterſcheidet. Wenn dem ſo iſt, dann iſt