Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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und erſchöpft fand, daß lange Zeit vorüber ging, bis ſich meine Tante von ihrem Schrecken erholt und ihre gewöhn⸗ liche Heiterkeit wiedergewonnen hatte. Ich kann mit gutem Gewiſſen behaupten, daß ich mir alle erdenkliche Mühe gab, die Liebe meiner jungen Couſine zu gewinnen, und daß ich ſelten eine Klage oder gar ein Zeichen des Unwillens ent⸗ ſchlüpfen ließ, obgleich meine Geduld täglich und ſtündlich auf die härteſten Proben geſtellt wurde.

Ich bemerkte einige Mal einen Ausdruck von Unzufrie⸗ denheit auf dem Geſichte der Miſtreß Middleton, als ſie Juliens heftiges Schreien bei einer der Veranlaſſungen ge⸗ hört hatte, von welchen ich eben ſprach. Nicht ſelten mußte ich ſogar wahrnehmen, wie ſich ihre Stirne umwölkte, und ihr Benehmen ſich in dem Augenblick plötzlich änderte, da ſie im Begriff war, eines jener zärtlichen Worte an mich zu richten, womit ſie mich anzureden pflegte. Doch war ich von ihrer Liebe zu ſehr überzeugt, ſie hatte mir dieſelbe durch Worte, Blicke und Handlungen während vieler Jah⸗ ren ſo deutlich zu erkennen gegeben, daß ich eher an der Wärme und dem Glanz der Sonne, als an der innigen Liebe meiner Tante gezweifelt hätte.

Ich komme nun zu einem Zeitpunkte meines Lebens, deſſen Begebenheiten, in ihren allerkleinſten Nebenumſtän⸗ den, meinem Gedächtniſſe gegenwärtig blieben, als wenn ſie mit einem glühenden Eiſen in mein Gehirn eingedrückt worden wären. Muthig will ich auch die geringſten Ein⸗ zelnheiten des verhängnißvollen Tages erzählen, welcher aus einem glücklichen Kinde, das ich war, das unglücklichſte Geſchöpf machte.

Eine genaue Beſchreibung der Priorie Elmsley iſt zum Verſtändniß der folgenden Erzählung unumgänglich nöthig. Das Haus war vormals ein Kloſter und lag auf dem Gipfel einer ſehr ſteilen Anhöhe. Das Gebäude, von un⸗ regelmäßiger Form, ſchien nach und nach erweitert worden zu ſeyn, in dem Verhältniſſe, als ſich die Zahl der Mönche vermehrte. Eine Veranda, eine Art Balcon oder äußere Galerie in morgenländiſchem Styl, aber in neuerer Zeit