Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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ſichte derjſenigen wahrzunehmen, welche ich am innigſten liebte. Der Schmerz der Miſtreß Middleton ſchien mir ſogar außer allem Verhältniſſe mit dem Grade von Zu⸗ neigung zu ſtehen, welche ſie bis dahin für ihre Tochter offenbart hatte, denn ihre Verzweiflung äußerte ſich ſo aus⸗ ſchweifend, ſo überſpannt, daß ſie mich aufs höchſte über⸗ raſchte und tief verletzte. Lange Zeit nachher gerieth ich auf den Gedanken, es könnten Vorwürfe des Gewiſſens in ihr erwacht ſeyn, weil ſie mich ſo lange ihrer Tochter vor⸗ ezogen, und dieſe Vorliebe ſo offen an den Tag gelegt Basts, daß ihre Kälte und Gleichgültigkeit gegen dieſelbe Jedermann auffallen mußte. In den erſten Tagen der Krankheit Julia's kam ich freilich nicht auf dieſe Vermu⸗ thung; ich erſtaunte nur über die Stärke und Lebhaftigkeit eines Gefühls, wie es ſich nie zuvor in ſolchem Grade ge⸗ äußert hatte.

Nach mehreren unruhvollen Tagen fing meine Couſine an, ſich etwas zu erholen; nach und nach genaß ſie wieder, doch erfreute ſie ſich nicht ganz der kräftigen Geſundheit, welche bis jetzt ihre Entwickelung begünſtigt hatte. Mit unermüdlicher Sorgfalt widmete ſich meine Tante der Pflege ihrer Tochter. Sie wachte geduldig bei ihrem Kinde, be⸗ friedigte jeden ſeiner Wünſche, gab jeder Laune deſſelben nach. Juliens Charakter, der nie liebenswürdig geweſen, wurde täglich unerträglicher. Die ganze Nachſicht einer Mutter gehörte dazu, um alle die ſeltſamen Launen und Unarten zu ertragen. Für mich hatte ſie nie eine beſondere Neigung kundgegeben, aber ſeit ihrer Krankheit trat eine entſchiedene Abneigung an die Stelle der Gleichgültigkeit. Nichts was ich ſagen oder zu ihrem Vergnügen erſinnen konnte, wurde mit Dank und Wohlgefallen aufgenommen. Wenn ſie meiner Aufſicht anvertraut war, ſo ſchien ſie nur darauf auszugehen, das zu thun, was ich ihr zu verbieten und zu wehren ſchuldig war und bei dem geringſten Wider⸗ ſtreben meiner Seits, brach ſie in ſolchen Zorn aus, fing dermaßen zu ſchreien und zu weinen an, daß ihre Mutter ſogleich herbeieilte, und ſie oft in einem ſolchen Zuſtande nervöſer Aufregung und, in Folge ihrer Heftigkeit, ſo bleich