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lich lieben, denn nur die Leidenſchaft allein vermochte dem herzertödtenden Einfluß ſeines Egoismus zu widerſtehen. Er verſtand ſehr gut die Sprache des Gefühls, die Theorie des Enthuſiasmus; er wußte von Allem zu reden, was rein, was liebenswürdig iſt, was Bewunderung verdient. Wenn von einer Tugend geſprochen wurde, wenn Lobſprüche zu ertheilen waren, wußte er ſogleich mit Beredtſamkeit und Kunſt das Wort zu führen. Er war dann in ſeinem Element, zum wenigſten, was die Unterhaltung betraf, denn hinſichtlich der verſchiednnen Nuancen menſchlicher Ge⸗ fühle und Gemüthsbewegungen, ſo faßte ſein Verſtand auf, was ſein Herz unfähig zu fühlen war.
Zu der Zeit, von der ich ſpreche, als er und Eduard Middleton die beiden Perſonen waren, welche meine Ge⸗ danken und meine Phantaſie am meiſten beſchäftigten, hätte ich kaum vermocht, mir genaue Rechenſchaft zu geben von dem, was ich von jedem insbeſondere dachte. Für Eduard empfand ich eine unwillkührliche, faſt ſcheue Achtung, welche es mich vermeiden ließ, in ſeiner Gegenwart eine Meinung oder ein Gefühl kundzugeben, das er hätte tadelnswürdig finden können. Er ſchien geneigt, ſich mit beſonderer Strenge über mich auszuſprechen, und oft fühlte ich mich verletzt von dem kalten Ernſte ſeines Benehmens, beſonders wenn ich ihn mit dem gleichgültigen Lächeln verglich, wo⸗ mit er die beißendſten Spöttereien Heinrich Lovell's an⸗ börte, welche, meiner Meinung nach, unendlich tadelnswür⸗ diger waren, als die unüberlegten, dem leichten Sinne meines Alters entſchlüpften Aeußerungen. Eine Art von bangem Gefühl beherrſchte mich endlich in Eduard's Nähe und ich konnte der unwiderſtehlichen Anziehungskraft nicht entrinnen, welche der Schwung ſeines Geiſtes und ſeiner Sprache auf alle die ausübten, welche in Berührung mit ihm kamen.
Im Sommer des Jahres 18.. wurde meine Couſine Julie von einer langen und ſchweren Krankheit überfallen: einige Tage ſogar zweifelte man an ihrem Aufkommen. Damals hatte ich zum erſten Male in meinem Leben Ge⸗ legenheit, den Ausdruck herzzerreißender Angſt auf dem Ge⸗


