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bei den innigſten Freundſchaftsverhältniſſen der Fall iſt, harmonirten 8 ſo wenig in Anſichten und Neigungen, daß es ſchwer zu begreifen war, wie der wechſelſeitige Umgang ihnen Vergnügen gewähren konnte
Der fernere Verlauf meiner Erzählung erheiſcht, daß ich in eine genauere Schilderung der beiden jungen Leute und der ſehr verſchiedenartigen Empfindungen eingehe, die ſie mir einflößten. Sie waren beide einige Jahre älter als ich; aber der Unterſchied war nicht ſo groß, daß ich ſie nicht als Freunde und Jugendgenoſſen hätte betrachten können. Sie hatten beide zwei oder drei Jahre vor der Zeit, von welcher die Rede iſt, die Univerſität Orford ver⸗ laſſen.
Heinrich Lovell glich ſeiner Schweſter, der Miſtreß Midd⸗ leton, in vieler Hinſicht; in anderer Beziehung war er aber wieder ſehr verſchieden von derſelben. Man fühlte ſich zu ihm mit gleicher Gewalt hingezogen wie zu meiner Tante, und es lag ein unwiderſtehlicher Zauber in der Le⸗ bendigkeit und dem Feuer ſeines Geiſtes, in der überſpru⸗ delnden Fröhlichkeit, die aus ſeinen Augen ſtrahlte, die ſich in jeder ſeiner Bewegungen und allen ſeinen Worten aus⸗ ſprach. Er beſaß, wie ſeine Schweſter, die Gabe, Aller Herzen zu gewinnen und zu feſſeln, aber er war ſich dieſer Gabe bewußt und machte von derſelben ſtets zu beſtimmten Zwecken Gebrauch, während jene natürlich wirkte, wie das Murmeln der Quelle, der Geſang der Vögel, die Freuden der Kindheit. Beide erkannten mit dem feinſten Scharfſinn das Lächerliche. Doch war der Spott meiner Tante nie bösartig. Sie zeigte ſich eben ſo ſtreng gegen ſich wie ge⸗ gen Andere, und obſchon ſie die Beweggründe ihrer Hand⸗ lungen durchſchaute, ſo urtheilte ſie doch mit Wohlwollen und war nicht weniger bereit, das Schlimme in ihrem eigenen Herzen zu ſuchen, als ihr Bruder es in dem Her⸗ zen Anderer zu finden glaubte. Heinrich's Lächeln hatte einen ironiſchen Ausdruck und ſeine Aeußerungen waren ſtets bitter. Hätte man ihn nicht liebenswürdig gefunden, ſo würde er haſſenswerth erſchienen ſeyn. Man durfte ihn entweder gar nicht lieben, oder mußte ihn leidenſchaft⸗
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