Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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hoffen ließe, daß ſie weder eine hervorragende Eigenſchaft des Geiſtes noch des Charakters offenbare. Sie könne, bemerkte ſie, nicht darauf rechnen, bei ihrer Tochter jene natürliche Sympathie, jene unbegrenzte Zärtlichkeit wieder⸗ zufinden, welche über die kleinſten Einzelnheiten unſres Zu⸗ ſammenlebens einen ſo wohlthätigen Reiz verbreiteten.

Die dem Menſchen angeborene Eigenliebe, verbunden mit der unduldſamen Natur jedes leidenſchaftlichen Gefühls, ließ mich dieſe Beſorgniſſe der Mutter mit einer beimlichen Freude anhören, indem ich bei mir ſelbſt d ehäſſige derſelben zu beſchönigen ſuchte. Ich überredete mich, daß ich mich nur aus inniger Zärtlichkeit für meine Tante dar⸗ über freue, eine ſolche Stelle in ihrem Herzen einzunehmen, daß ſie weniger ſchmerzlich berührt würde, wenn ſie ſich durch das abſtoßende Weſen meiner Couſine in ihren Er⸗ wartungen getäuſcht finden müßte

Die glücklichſten Jahre meines Lebens gingen ſchnell vor⸗ über. Ich war fünfzehn Jahre alt und, zur Jungfrau her⸗ angereift, ward ich zum erſtenmale der Geſellſchaft vorge⸗ ſtellt, die ſich zuweilen in Elmsley verſammelte. Sie be⸗ ſtand meiſt aus einigen Verwandten meines Onkels und der Miſtreß Middleton, welche von Zeit zu Zeit einige Wochen lang im alten Herrenhauſe meines Onkels verweilten. Das Leben in demſelben wurde bald lebendiger und unter⸗ haltender als gewöhnlich. Eduard Middleton, der Sohn eines zweiten Bruders meiner Mutter und Heinrich Lovell, ein jüngerer Bruder meiner Tante, beide Stu⸗ diengenoſſen und unzertrennliche Gefäbrten, gehörten zur Zahl derer, welche uns am häufigſten beſuchten. Der Letz⸗ tere hatte ſeine Mutter mehrere Jahre vor dem Zeitpunkte verloren, von welchem ich ſpreche, und ſein Vater, der ein Staatsamt bekleidete, das ihn nöthigte, faſt ununterbrochen in London zu bleiben, pflegte Heinrich alle Jahre nach Elmsley zu ſchicken, um daſelbſt die Ferienzeit zuzubringen. Zu Elmsley war es auch, wo er zuerſt mit Eduard Midd⸗ leton zuſammentraf und mit demſelben einen innigen Freund⸗ ſchaftsbund ſchloß, ſo daß man ſie auf der Hochſchule wie in Elmsley ſtets zuſammen ſah. Doch, was nicht ſelten