Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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ihren anziehendſten und zauberiſchſten Werken, füllten die dem Leſen gewidmeten Stunden aus. Eine Unterhaltung mit meiner Tante aber hatte nicht minderen Reiz als eine in ihrer Geſellſchaft vorgenommene Lecture. Ihre Bemer⸗ kungen waren ſtets originell, ſie ſcheute ſich nicht, ihre Meinung, ſo ſeltſam ſie auch ſeyn mochte, unumwunden auszuſprechen. Bloß Conventionelles ließ ſie nie gelten. Wäre hu Shanade nicht einer der edelſten, ihre Seele eine der peinſten geweſen, welche je einem weiblichen Weſen zu Theil geworden, ſo würde vielleicht die Kühnheit ihrer Anſichten und die faſt verwegene Aufrichtigkeit, womit ſie alles für wahr erkannte und bekräftigte, was ihr wahr er⸗ ſchien, Schrecken eingeflößt haben. Wäre ſie von Perſonen umgeben geweſen, deren Anſichten und Gefühle mit den ihrigen übereingeſtimmt hätten, ſo würde ſie mich wahr⸗ ſcheinlich nur wie ihre Schülerin und Geſellſchafterin, und nicht wie ihre liebſte Freundin behandelt haben. Sie hätte mich dann nicht zur Vertrauten aller ihrer Gedanken mit einer unbegrenzten Hingebung gemacht und nicht daran gewöhnt, mich für unentbehrlich zu ihrem Glücke zu halten. Allein in Elmsley hatte ſie wohl Nachbarn und Bekannte, aber keine Freunde. Ich allein vertrat demnach deren Stelle und die unausſprechlichen Genüſſe, welche mir der fort⸗ währende Umgang mit einer Perſon gewährte, der ich mit der zärtlichſten Liebe ergeben war, erweckten in mir einen Trieb, der ganz geeignet war, die natürlichen Fehler des Alters, in dem ich damals ſtand, zu mildern und zu beſſern, aber auch auf meinen Charakter einen für mein künftiges Glück wenig günſtigen Einfluß auszuüben. Vollkommen von ihrer Vorliebe für mich überzeugt, und nicht im Stande zu verkennen, daß Julie ein wenig liebenswürdiges Kind war, und daß der Geſchmack und die natürliche Gemüths⸗ beſchaffenheit meiner Tante, mit dem kalten, trägen, egoi⸗ ſtiſchen Weſen, das ihre Tochter kundgab, durchaus im Widerſpruch ſtanden, zweifelte ich nie einen Augenblick, daß ihre Neigung zu mir bei weitem ſtärker und inniger wäre, als die, welche ſie für ihr eigenes Kind fühlte. Oft be⸗ klagte ſie ſich bei mir, daß Julia ſo wenig für die Zukunft