Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
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ihr Gewiſſensſkrupel verurſachte. Herr Lacy kannte ſeine alte Freundin ſo genau, wie die Natur der Bedenklichkei⸗ ten, welche ſie ihm mitzutheilen pflegte, daß er, nachdem ſie auf dem Stuhle Platz genommen, den er ihr ans Ka⸗ min gerückt(der letzte Oktober verkündete ſchon ziemlich die Strenge des Winters) ſie folgendermaßen anredete.

Nun meine liebe Miſtreß Denley! Wieder einige Miethsleute, welche die üble Gewohnheit haben, ſich zu be⸗ trinken, und denen Sie nicht aufkündigen wollen, aus Furcht, daß Andere es ſich nicht ſo angelegen ſeyn laſſen, ihnen auf ihr Zimmer und ins warme Bett zu helfen? Oder nehmen Sie etwa noch immer Anſtand, jenem Herrn die Wohnung aufzuſagen, welcher Ihre Möbel ruinirt und nie die Miethe bezahlt, ſo daß es Ihnen immer noch nicht möglich geworden, Johnny zur Schule zu ſchicken, wie Sie es ſchon lange wünſchten?

Nein, nein, hochwürdigſter Herr, was mich gegen⸗ wärtig beunruhigt, hat nichts mit den Miethsleuten gemein, die ſich betrinken, noch mit meiner Abſicht, den armen guten Johnny zur Schule zu ſchicken, noch mit dem un⸗ bezahlten Hauszins; nein, nichts von allem dem! gerade das Gegentheil!

Da es eben nicht leicht war, ohne eine ausführlichere Er⸗ klärung zu begreifen, wie das Gegentheil der drei Angele⸗ genheiten die Beſorgniß der Miſtreß Denley erwecken konnte, ſo warf Herr Lacy einen fragenden Blick auf ſie, worauf ſie fortfuhr:

Sehen Sie, hochwürdiger Herr, es iſt nicht gerade eine Sache, die mich angeht, und ich weiß recht gut, was in dem Briefe des heiligen Paulus an den Thimotheus geſagt iſt, daß Weiber keine Schwätzerinnen ſeyn und ſich nicht in Dinge miſchen ſollen, die ſie nichts angehen; aber demungeachtet glaube ich, daß es keine Sünde iſt, zu wün⸗ ſchen, daß ein junges Geſchöpf, das man unter ſeinem Dache hat und langſam dahin ſtirbt Gott mag wiſſen, was ihr fehlt! denn der Doktor Reid weiß es nicht. Er ſah ſie dieſer Tage bei mir, hochwürdiger Herr, und ich erlaubte mir, ſie zu fragen, ob ſie ihn zu Rathe ziehen