Teil eines Werkes 
1 (1845) Ellen Middleton
Einzelbild herunterladen

Schmuck des Altars betrachten, vor dem er mit ſeiner Mut⸗ ter kniete: dies waren die erſten reinen Beſchäftigungen ſeines Lebens. Seine Kindheit fand nur Vergnügen in den frommen Geſprächen ſeiner Mutter, die ihn unterrich⸗ tete und ihm die Gebete und Lieder erklärte oder die Zei⸗ ten ſchilderte, wo der Glaube an den Erlöſer noch eine Quelle von Leiden für die verfolgten Gläubigen war. Sobald es ſein Alter erlaubt hatte, ward er Prieſter: ſpäter wurde er zur Würde eines Domherrn der Cathe⸗ drale von.... berufen. Die religiöſen Eindrücke, die hei⸗ ligen Freuden ſeines Jünglingsalters, welchen er in vor⸗ gerückterem Alter nicht entſagte, nachdem ſie ihm Schirm und Schutz beim Eintritt ins Leben gewährt hatten, gaben ihm Troſt und Frieden in ſeinen alten Tagen.

Sein Leben war getheilt zwiſchen dem Gebete und der unverdroſſenſten Ausübung chriſtlicher Werke und alle ſeine Handlungen gingen aus Liebe zu Gott und ſeinem Näch⸗ ſten hervor. Die wenigen Stunden der Erholung, welche er ſich gönnte, widmete er entweder dem Studium der religiöſen Baukunſt oder der Geſchichte ſeiner biſchöflichen Kirche, die er mit jener heiligen Liebe verehrte, welche die Menſchen für die Stätte ihrer Geburt, für die Plätze ihrer Jugendfreuden empfinden, und auf welche er vor allem mit einem Gefühle gleich dem Hiob's blickte, als dieſer zu Bethel ſprach:Siehe hier das Haus Gottes und die Pforte des Himmels!

Herr Lacy, welcher ſeinen Platz im Chor eingenommen, überſah mit ernſtem Blicke die kleine Zahl der Gläubigen, welche ſich zu dem Abendgottesdienſte eingefunden; er ge⸗ wahrte mit Befremden ein Frauenzimmer auf den Bän⸗ ken, welche gewöhnlich nur von der ärmſten Klaſſe der Stadtbewohner eingenommen wurden. Sie war in tiefer Trauer und obſchon ſie höchſt einfach gekleidet, ſo lag doch in ihrer Haltung und ihrem ganzen Weſen etwas, was deutlich erkennen ließ, daß ſie den höchſten Ständen der Geſellſchaft angehören müſſe. Obgleich die Geſchmeidigkeit ihres Wuchſes und die ſanfte Schönheit ihrer Geſichtszüge ihr ein jugendliches Ausſehen verliehen, ſo wäre es doch