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Gegen das Ende eines Oktobertages des Jahres 18. trat ein ehrwürdiger Geiſtlicher in die Cathedrale der Stadt .., an welcher er Domherr war. Die Stunde des Abendgottesdienſtes nahte heran. Die Strahlen der unter⸗
ehenden Sonne verbreiteten durch die gemalten Kirchen⸗ fenſter jenes Licht, deſſen milder Schein ſo gut harmonirt mit dem Gefühle religiöſer Ehrfurcht, welches ein gothiſches Gebäude, des Menſchen edelſtes Werk, einzuflößen die Be⸗ ſtimmung zu haben ſcheint.
Herr Lacy, ſo hieß der Geiſtliche, hatte ſein Leben im Schatten dieſer Cathedrale zugebracht, unter ihren erhabenen Wölbungen hatten ſich ſeine geiſtigen Kräfte entwickelt und die Neigungen ſeines Herzens entfal⸗ tet. Von Kindheit an hatte er die ſtillen Gänge, die majeſtätiſchen Bogen und die herrlichen Bildhauerwerke ſeiner Kirche lieben gelernt. Die in den reichen Malereien der Kirchenfenſter dargeſtellten Geſchichten der Heiligen und Märtyrer, die helltönenden Klänge der Orgel, die ein⸗ fachen und harmoniſchen Geſänge der Chöre, der mannig⸗ faltige Schmuck der Cathedrale hatten ſeine erſten Gedan⸗ ken erweckt und ſeine erſten Träume belebt. In den Kreuz⸗ gängen herumſchweifen, am hohen Feſttage ſo viel Stechpalm⸗ zweige ſammeln, als er mit ſeinen ſchwachen Händchen zu faſſen vermochte, um ſie zu dem, an der Kirchenthür bereits aufgehäuften, ſchimmernden Vorrath zu legen, mit ſchüchter⸗ nen Schritten jene einfachen Gaben ins innere Heiligthum baoleiten⸗ mit kindlicher Bewunderung und Freude den
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