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Antriebe liefert wie Liebe. Um dieſe Zeit ſchrieb ſein Sohn an Gertrude, und zählte die Tage, bis er ihre Antwort erhielt.
Sie kam an einem Sommerabend nach jahrelanger Abweſenheit zurück zur Stätte ihrer Jugend. Sie kam dahin, wie man im Traum an wohlbekannte Orte kommt und mit Erſtaunen alle Dinge verändert findet, und doch noch als dieſelben erkennt. Edgar hatte ſie am nächſten Bahnhof abgeholt, und in ſeinen ernſten, ruhigen Zügen war ein Anſchein von Rührung bemerk⸗ bar. Er nahm ihr Kind in ſeine Arme und küßte es. Noch eine Perſon wartete ebenfalls auf dieſer Sta⸗ tion, deren wohlgezogenes Herz weniger ruhig als ge⸗ wohnlich ſchlug, als ſie Gertrude und ihr Kind zu Ge⸗ ſicht bekam; ſie ſtürzte auf ihre Kniee und umſchlang den Knaben mit ihren Armen.„O Moriz!“ war Alles, was ſie ſagte; aber als der Knabe mit kindlicher Ueber⸗ raſchung fragte:„Biſt Du auch meine Mutter?“ ſo flüͤſterte ſie:„Nein, ich bin bloß Marie;“ allein ſie fühlte, und auch er ſchien es zu fühlen, daß ſeine Mut⸗ ter ihn nicht mehr liebe, als Marie. Ihrer Fürſorge wurde er übergeben, während die ſo lang getrennt ge⸗ weſenen Geſchwiſter mit einander die wohlbekannten eingehegten Wege entlang nach dem Hauſe zu fuhren, das Gertrude gehaßt und geflohen hatte.
Sie ſprachen nur wenig, bis ſie das Thor erreichten. Die Frau im Pförtnerhäuschen machte ihr ihre Vernei⸗ gung, und die Krähen machten ihren gewohnten Lärm in den Aeſten über ihrem Kopfe, als ſie durch die Allee fuhren.„Gertrude,“ ſagte er plötzlich,„ſein Geiſt iſt nicht ganz klar; er ſpricht manchmal ganz ſonderbar von Dir und der Mutter. Wir meinen, das Beſte wäre, Du gingeſt gerades Weges zu ihm. Haſt Du den Muth, es zu thun?— Er könnte böſe werden.“
„Ich habe,“ verſetzte ſie,„ſeinem Zorn in meinem Eigenſinn zu oft getrotzt, um jetzt davor zurückzuſchrecken, Lady⸗Bird. II. 14


