Teil eines Werkes 
6.-8. Bändchen (1853)
Entstehung
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ſaß Gertrude am Bette eines Mannes, der ſchwer ge⸗ ſündigt und tief gelitten hatte, ihres ſterbenden und reuevollen Gatten. Ein Prieſter von einer benachbar⸗ ten Miſſion hat ihm beigeſtanden, ſeine Beichte em⸗ pfangen und ihm die letzten Sacramente der Kirche ge⸗ reicht. Adrian wachte im anſtoßenden Zimmer. Es lag ein ruhig ſchöner Ausdruck auf Morizens Geſicht; er war nicht nur ergeben, ſondern wünſchte zu ſterben. Daß Gott ihm eine ſolche Gnade zugewandt habe, ſein Leben hingeben zu dürfen für den Freund, den er ge⸗ kränkt und zu einer gewiſſen Zeit ſogar gehaßt hatte, erfüllte ihn mit einem Gefühl dankbarſter Verwunde⸗ rung. Gertrudens Güte, die Zartheit ihrer Stimme und ihrer Blicke, die ihm jetzt ſo unausſprechlich wohl thaten, würden unter andern Umſtänden nicht hingereicht haben, die Qualen der Selbſtanklage zu lindern. Sie hätten ſie vielleicht ſogar peinlicher erweckt als ein gleich⸗ gültiges Betragen. Während der letzten Tage hatte er das Vergangene mit der innerlichſten Zerknirſchung durchmuſtert, und, obgleich er ſich darein ergab, das Leben als gerechte Buße und als Gelegenheit zu im⸗ merwährender Vergütung anzunehmen, ſo war doch der Tod die höchſte Gabe, die ſeiner müden und reuevollen Seele verwilligt werden konnte. Er mißtraute ſeiner eigenen Kraft für das lange Tagewerk des Lebens, und ſegnete den gnädigen Gott, der ihn aus den Fallſtricken und Gefahren deſſelben hinwegziehe.

Er war einer großen Handlung fähig, und es war ibm vergönnt worden, ſie zu vollbringen. In tiefer Demuth betete er:Herr, nun laß Deinen Diener im Frieden fahren; denn der Friede des Losgeſprochenen, des Begnadigten, war ihm geworden. Der Glaube, der in ſeiner Seele nie erloſchen war, leuchtete jetzt wieder ſo rein und glühend als je. Sein Geiſt, ſo lange Zeit mit den Bildern der Schönheit und den Träumen von Harmonie erfüllt, wandte ſich jetzt bereitwillig den Geſichten des Himmels zu. Er ſandte nach Adrian