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lieben, von der ich ſprach, ſo wäre es zu Deinem eige⸗ nen Wohle geweſen. Mit dieſer Hoffnung ſtand ich zwiſchen Dir und ihr, bis mein Herz nahe daran war, zu brechen, aber ich ſehe, daß Dein Leiden größer iſt als je, obgleich Du Dich bemühſt, es zu verbergen. Dieß iſt ſchlimmer, als alles Andere. Wenn das Ge⸗ wiſſen ruhig iſt, ſo kann das Herz ſeine Laſt tragen, ſo ſchwer ſie auch ſein mag. Aber iſt dieß nicht der Fall, ſo fehlen Stärke und Geduld. Darum will ich Dir Dein Gewiſſen leicht machen— ich entlaſſe Dich Deiner Verpflichtung gegen mich; Deine Liebe ſoll ſo frei ſein, wie die Luft, aber, wenn es noch möglich iſt, ent⸗ halte Dich, ſie zu lieben. Wenn das Deine Kraft über⸗ ſteigt, ſo liebe ſie im Stillen, hoffnungslos, aber ohne Gewiſſensbiſſe, d. h. bis ſie Jemand anders heirathet. Ich bin überzeugt, daß Du nach Empfang dieſes Briefs wenigſtens eine Zeit lang viel glücklicher ſein wirſt. Ich bin es, ich verſichere Dich, nun, da ich ihn geſchrieben habe. Ewig, lieber Moriz, Deine Dich liebende
Marie.“
Gertrude fühlte ſich ſehr in Verlegenheit und Un⸗ ruhe, als ſie dieſen Brief las. Sie hatte bis jetzt bei⸗ nahe vergeſſen, daß ſie einſt in einem Augenblick Ver⸗ gnügen an dem Gedanken gefunden hatte, daß Moriz ſie bewundere, und ſelbſt jetzt— vielleicht, weil ſie es nicht wünſchte— gab ſie ſich nicht zu, daß Marie auf ſie anſpiele. Wenn dieß der Fall wäre, ſo würde es ſehr ſonderbar von ihm ſein, daß er ſie um Rath frug, und ſie beſchloß, ihm nicht zu geſtatten, vorauszuſetzen, daß ſie das für möglich halte. Ihr Benehmen war jedoch kalt, als ſie ihm den Brief zurückgab und ſagte:
„Es iſt ein ſehr rührender Brief. Es iſt mir leid um Marie, noch mehr um Sie, Mortz, daß Sie Veran⸗ laſſung hatte, ihn zu ſchreiben.“
„Was kann ich thun?“ ſagte er mit auf den Boden gehefteten Augen.„Ich liebe Marie mit aller Kraft


