Teil eines Werkes 
6.-8. Bändchen (1853)
Entstehung
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Gertruden fiel der hohle nervöſe Ton ſeiner Stimme auf, und ſie ſagte freundlich:

Ich will mein Möglichſtes thun, lieber Moriz, aber wie ſoll ich Anderen rathen können, ich, die ich kaum weiſe genug bin, mich ſelbſt zu leiten?

Leſen Sie vor Allem dieſen Brief, ſagte er. Sie nahm ihn, und er enthielt Folgendes:

Lieber Moriz!

Ich war oft Willens, zu ſagen, was ich nun ſchreibe, aber kürzlich fehlte mir der Muth, es zu thun, und während der kurzen Augenblicke, die wir gelegent⸗ lich zuſammen zubrachten, ſahſt Du ſo übel und unglück⸗ lich aus, daß ich nicht wußte, wie ich von Etwas ſpre⸗ chen ſollte, das Dich betrüben könnte. Aber nun iſt mein Entſchluß gefaßt, und das Schreiben wird mir leichter ſein, als das Sprechen. Ich glaube, Du wirſt errathen, was ich Dir ſagen will Du mußt den Ge⸗ danken, mich zu heirathen, aufgeben. Es war Alles ein Irrthum gleich von Anfang an. Wir haben ein⸗ ander herzlich geliebt wie herzlich, das weiß Gott allein, und ich liebe Dich wo möglich mehr als je. Aber ich fühle nun, daß es nicht geht, daß zwei Per⸗ ſonen, welche von Kindheit an mit einander auferzogen worden ſind und wie Bruder und Schweſter mit einan⸗ der gelebt haben, ſich noch auf eine andere Art lieben. Ich glaube, daß der Irrthum, den wir in dieſer Hin⸗ ſicht begangen haben, Dein Unglück verurſacht hat. Ich ſah dieß ſchon einige Zeit, aber ich hatte viele Gründe, es nicht zu ſagen; einige davon waren, ich geſtehe es, ſelbſtſüchtiger Art, aber andere auch zu Deinem Beſten. Ich hoffte, Dich von einer Leidenſchaft zu retten, die Dich, wenn Du ihr nachhängſt, unglücklich machen wird. Es iſt ſchlimm, wenn ein Mann ſeine Zeit mit Seufzen und Weinen zubringt; es iſt nicht ſo arg bei einem/ Weibe; und wenn Du mich hätteſt lieben konnen ich meine, wenn ich Dich hätte abhalten können, die zu