ich nur, er möge uns Alle beißen—“ und darüber nach, wie auf Perſonen, welche gewiſ ſtände aus verſchiedenen Geſichtspunkten betracht Handlungen und das Benehmen Anderer ganz verſt denartige Eindrücke machen. Dieſelbe Handlungsweiſe welche im einen Falle Bewunderung erregt, flößt in einem andern nur Erſtaunen, wenn nicht Abneigung, ein. Vielleicht würde ihr kurze Zeit vorher der Mangel an Sympathie zwiſchen ihr und ihren zwei Nachbarn nicht in gleichem Grade aufgefallen ſein, und die völlige Ab⸗ weſenheit weltlichen Sinnes, welche ſie bei d'Arberg ſo ſehr ſchätzte, wäre ihr bei Marie Grey zum Beiſpiel vielleicht abgeſchmackt vorgekommen; aber ſie zergliederte ihre Gefühle nicht genau und war zufrieden mit dem Bewußtſein, daß ſie allein unter jener zahlreichen Ge⸗ ſellſchaft Adrian d'Arberg's Grundſätze verſtand und jeine Gefühle theilte.
An jenem und dem folgenden Tage hatte ſie nur wenig Gelegenheit, ſich mit ihm zu unterhalten, ſie glaubte aber von ihm beobachtet zu werden, und fragte ihn ein und das andere Mal um ſeinen Rath wegen unbedeutender Dinge, wo ſie im Zweifel war, ob ſie ſie thun ſollte oder nicht; es war nicht die geringſte Coquet⸗ terie darin. Sie zeigte ihm ſo deutlich, als die Würde des Weibes ihr erlaubte, daß ſie nur einen Wunſch habe, und dieſer war nicht ſowohl, ihn zu feſſeln, als vielmehr ſo zu werden, daß ſie ſich ſeines Beifalls zu erfreuen hätte. Es wäre keinem Manne möglich gewe⸗ ſen, von dieſer ſtillſchweigenden Huldigung nicht gerührt zu werden. Dieſe Einfachheit des Zweckes und dieſe Aufrichtigkeit der Handlungsweiſe gehörte nicht von Na⸗ tur zu ihrem Charakter, ſondern zu der Stärke der Lei⸗ denſchaft, die ihr Herz eingenommen hatte. Sie war wie Julie in ihrer Liebe, und der Widerſtreit zwiſchen ihrer außerordentlichen Kunſtloſigkeit in dieſer Hinſicht und ihrem im Allgemeinen ſcharfen Verſtand und zurück⸗ haltenden Charakter war auffallend und anziehend. Er


