Teil eines Werkes 
1.-5. Bändchen (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

266

liges in ihrem Geſicht; ſie war wie eine von Francia's oder Perugino's Heiligen oder wie das Bild, das uns alte Chroniken von dertheuern St. Eliſabeth von Un⸗ garn geben.

Ganz kurze Zeit vor ihrem Tode rief ſie ihn zu ſich und ſagte ihm, dieß werde das Letztemal ſein, daß ſte ihn ſehe, und ſie wünſche nun Abſchied von ihm zu nehmen. Sie bat ihn, in der Welt alles das Gute zu thun, was ſie gerne gethan hätte, und den Schatz täglich zu vermehren, den ſie angefangen hätten im Himmel zu ſammeln.Sie habe, ſagte ſie,dieſen Morgen ſich ihre Gedanken über die Geſchichte von Martha und Maria gemacht und habe gefühlt, daß er wohl ſagen könnte, daß ſie ihm die ganze Arbeit allein zu thun überlaſſe; aber Du wirſt mir, fuhr ſie fort,das gute Theil nicht mißgönnen, Adrian, das ich nicht erwählt habe, ſondern das für mich erwählt worden iſt. Sie gab ihm noch vielen guten Rath uuter Anderem bat ſie ihn auch, das große Werk zu ſchreiben, das er ſeither vollendet hatte.

Sie hatte einen Bruder, den ſie zärtlich liebte und der vom Glauben abgefallen war. Seine Bekehrung war der Gegenſtand ihrer Gebete und ihrer Hoffnungen geweſen, und war jetzt der Gegenſtand ihrer Bitten an Adrian. Sie ſagte ihm, ſie habe nie um Geſundheit oder irgend eine andere zeitliche Segnung gebetet, ſondern nur um eine einzige Sache, und daß ſie ſelbſt ihr Leben zum Opfer dargeboten habe, um jene Sache zu erlangen; und das ſei das, daß er auf Erden ein vollkommenes Leben führen und recht viel für Gott und die Kirche thun möchte.Ich weiß nicht, fügte ſie hinzu,ob der Herr das Opfer angenommen hat; es iſt meine Freude, es zu hoffen; und handle Du, Adrian, alle Zeit ſo, als ob es der Fall wäre. In jeder Verſuchung nicht allein zur Sünde, ſondern auch nur zum Straucheln auf dem Pfade nach oben denke an meinen frühen Tod, und erinnere Dich, daß Du doppelte Arbeit zu thun haſt.

Immer tiefere Gedanken theilte ſie ihm mit, immer