Teil eines Werkes 
1.-5. Bändchen (1853)
Entstehung
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um ihre rauhen Arme ſchlangen und ihre Blätterloſig⸗ keit verhüllten. Maßliebchen, Kuhblumen und Schlüſſel⸗ blümchen, die blaue Glocke und die zarte Anemone waren im Ueberfluß umhergeſtreut, hier in reichen Büſcheln, dort in glänzenden Teppichen, überall in anmuthig ſchö⸗ ner Unordnung. Es war genau der Augenblick, wenn der Lenz einen ebenſo großen Farbenreichthum zeigt, als der Herbſt, wenn er beim Willkommſagen ebenſo pracht⸗ voll iſt, als der letztere beim Abſchiednehmen. Ebenſo kurz dauernd als ſchöͤn iſt dieſe Stunde der Verſprechun⸗ gen der Natur nicht ſobald angekommen, als ſie auch ſchon wieder verſchwindet und in die Eintönigkeit des Sommers verfinkt.

Oft hatten die beiden Mädchen ſich in ihrer Kind⸗

heit an der Stelle zum Spiele zuſammengefunden, wo ſie jetzt zu einer Unterredung eintrafen. Ihre Hüte lagen auf dem Graſe und dienten als Behältniſſe für die Blu⸗ men, die ſie handvollweiſe pflückten, ohne ſich von der Stelle zu rühren.

Alſo Sie erwarten Moriz heute! rief Gertrude

nach einem augenblicklichen Stillſtand des Geſpräches. Die Antwort beſtand in einem Lächeln und einem ſchwa⸗ chen Erröthen des Vergnügens, nicht der Verlegenheit.

Wie mir dieſe Stelle die alten Zeiten vor die Seele führt(in dieſem Alter bildet das Entſchwinden weniger Jahre ſchon ein entferntes Alterthum),die Zeiten unſerer Spiele und unſerer Deklamationen unter eben dieſem Baume, auf dem wir jetzt ſitzen. Hat ſich Moriz ſehr

geändert, ſeit er zum letztenmal wegging? Sollte ich ihn

wohl wieder erkennen?

Er iſt um Vieles größer geworden, aber ſeine Züge haben ſich nicht geändert, wenigſtens dünkt es mich ſo; doch freilich, da ich ihn jedes Jahr geſehen habe, wenn ich des Winters meine Tante beſuchte, ſo kann ich viel⸗ leicht kaum daruͤber urtheilen. Seine großen dunkeln Augen und ſeine blaſſe Farbe ſind noch genau, wie ſie immer waren.