Teil eines Werkes 
1.-5. Bändchen (1853)
Entstehung
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Anſpruch, welche die Kinder insgeſammt ihr inſtinkt⸗ mäßig entrichteten. Der feurige Moriz, die ſanfte Marie, die ſchüchternen Töchter des Pächters im Dorfe, und die derben Jungen des Wildhüters im Waldhäuschen er⸗ kannten ihre Oberhoheit an und fügten ſich allen ihren Launen. Wenn ſich ein Streit erhob über die Ent⸗ fernung zwiſchen dem Weißdornſtrauch und dem Akazien⸗ Baum, welche den Auslaufepunkt und das Ziel einer Rennbahn vorſtellen mußten, ſo war es ihr Ausſpruch was die Frage in's Reine brachte. Stellten ſie im Spiel eine Hofhaltung dar, ſo war ſie jedesmal die Königin, und für ihre kindliche Majeſtät wurden Throne von Moos errichtet und Kronen von Feldblumen ge⸗ flochten.

Sie nannten ſie Lady⸗Bird*), ein Name, den ihr Moriz eines Tages gegeben hatte, als er nach einem Streit ſie zu beſänftigen ſuchte. Sie hatte irgend eine raſche Unternehmung gebieteriſch vorgeſchlagen, und Marie hatte Einſprache dagegen gethan. Gereizt durch ihren Widerſpruch hatte die ungeduldige kleine Schön⸗ heit auf ein ſehr ernſthaft ausſehendes Inſekt auf einem Epheublatt mit dem Ausrufe hingedeutet:Du biſt gerade wie dieſe langweilige Motte, Marie! In dieſem Augenblick hatte ſich ein prächtiger Schmetterling mit goldnen und purpurnen Flügeln in den Schooß einer rothen Roſe eingetaucht, und Marie verſetzte:Und du biſt wie die⸗ ſer flatterhafte Schmetterling! aber Moriz rief laut: Nein, Marie iſt eine Hummel, und du biſt eine ſtechende Weſpe. Hierauf brach die beleidigte Schönheit in Thränen aus, und um Frieden mit ihr zu ſchließen, nannte er ſieLady⸗Bird. Es lag etwas eigenthümlich Angemeſſenes in dieſer Benennung.

Sie war unter ihnen allen die einzige kleine Dame im wahren Sinn des Wortes. In ihren Blicken und

*) D. i. Herrgottskäferchen, Marien⸗Kühchen, Lieb⸗ frauenkäferchen ꝛc.