Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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Erſt nach vielen Tagen erhielt Edmund von den Aerzten die Erlaubniß, ſeine Frau aus dem Hauſe zu entfernen, wo ſie beide ſo viel gelitten hatten. Dar⸗ rell Court wurde zu ihrem Empfange in Bereitſchaft geſetzt, und ſie zogen dahin, ſobald Briefe aus dem Auslande ſie benachrichtigt hatten, daß Oberſt Leslie ſeine Tochter auf Schloß Grantley und nicht in Lon⸗ don zu treffen wünſche. Vater Franzesco begleitete ſie in ihre Wohnung, und als er am Tage ihrer Ankunft bei Ginevra ſand und ihr Lächeln ſah, womit ſie von dem Sofa aus, auf welchen ihr Gatte ſie geſetzt hatte, die Schönheit derſelben betrachtete, da flüſterte er ihr auf Italieniſch zu:Die Sorge währt eine Nacht, aber die Freude kommt am Morgen.

Sie drückte ſchweigend ſeine Hand und eine Thräne

rollte ſeine Wange hinab. Als er einige Tage ſpäter,

am Vorabend ſeiner Reiſe nach Italien, Abſchied von ihr nahm, bat ſie ihn, auf das Frühjahr wiederzukom⸗ men, bevor die Akacienblüthen der Caſa Maſani ihre ſchneeigen Kränze getrieben hätten; aber als er ernſt antwortete:Meine Tochter, jetzt paſſen die Worte des heiligen Simeon auf mich:Herr, nun läſſeſt Du Dei⸗ nen Diener in Frieden fahren, ſo lautet das einzige Verlangen, das ich noch habe, da ſtahl ſich ein Schat⸗ ten von Betrübniß über ihr Geſicht; als ſie ſich aber in einem andern Augenblick gegen ihn wandte, da war nichts als Friede und Freude in ſeinem Ausdruck, und ſie ſagte leiſe:Vater, ich fühle, daß wir bald wieder zuſammenkommen werden.

Er ſegnete ſie und ging ſeines Weges, hocherfreut, daß ſein irdiſcher Pilgerlauf ſich ſeinem Ende nahte, und daß über den Reſt ſeiner Tage ein Licht ausge⸗ goſſen worden, welches die Wolken zerſtreute, die einen Augenblick ſo finſter darüber gehangen hatten. Des Pil⸗ gers Gebet war auf ſeinen Lippen, des Pilgers Geiſt in ſeinem Herzen und in kurzer Zeit war des Pilgers Wohnung die ſeinige; als der Frühling wiederkehrte,