daß Du ihn nie ſo getäuſcht haben würdeſt, und erſt wenige Stunden vor ſeinem Tode, auf meine dringend⸗ ſten Bitten und um meinen unbegründeten Befurch⸗ tungen, wie er es nannte, zu genügen, hatte er heim⸗ lich ein Teſtament aufgeſetzt, welches für einen gewiſſen Fall, den ich Dir jetzt erklären werde, ſein teſtamen⸗ tariſches Enterbungsurtheil zurücknahm. Er gab es in meine Hände und verpflichtete mich durch ein feier⸗ liches Verſprechen, nie davon zu reden und es nie be⸗ kannt zu machen, wenn es ſich nicht anders ſpäter her⸗ ausſtellen ſollte, daß Du ſchon vor Deiner Rückkehr nach England und alſo vor der Drohung, die er Dir bei⸗ nahe in ſeinen letzten Augenblicken angekündigt, eine Katholikin geheirathet habeſt. Er befahl mir, dies auf alle mögliche Art im Geheimen auszumitteln, denn dann und nur dann ſollte die verbietende Clauſel ſeines Teſtamentes nichtig und wirkungslos werden. Er würde Deine Vermählung mit einer Katholikin auf Koſten ſeines Lebens, ſeines und vielleicht Deines eigenen Glückes verhindert haben; aber ſo tief ſein Abſcheu gegen dieſe Confeſſion war, ſo dachte er doch nie daran, das zu trennen, was Gott zuſammengefügt hatte, und ſeine letzte Handlung war keine gottloſe Entgegenſtel⸗ lung ſeines eigenen Willens gegen den Willen Gottes. Richte jetzt zwiſchen ihm und Dir und verzeihe mir, wenn Dir meine Worte hart oder kalt geſchienen haben. Meine Liebe gegen Dich iſt es nicht. Sprich zu mir, Bruder.“
„Anna,“ ſagte Edmund endlich, als er ſein blaſ⸗ ſes Geſicht aus ſeinen Händen emporrichtete,„ich fühle jetzt, was es heißt, feurige Kohlen auf das Haupt eines Beleidigers ſammeln. Ich, der ich Dich beſchul⸗ digt, beſchimpft und betrogen hatte! Schweſter, ich kann kaum verſtehen oder glauben, was Du ſagſt.“ Thränen verſchafften ihm einige Erleichterung, denn die Heftigkeit ſeiner Aufregung erſtickte ihn beinahe. Nach einer Pauſe legte er ihre Hand in die ſeinige


