Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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mein Glück zu verſuchen. Ich würde meinen Weg klar ſehen, fuhr er fort,wenn es nicht wegen meiner Schulden wäre. Dieſe ſind unermeßlich, aber mit dem Beiſtande, den Du mir gewiß leiſten wirſt, und mit meinen eigenen unaufhörlichen Anſtrengungen kann es mir doch gelingen, mich unabhängig zu machen.

Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm und Anna entſank ihr Herz im Buſen. Sie fürchtete, ſelbſtfüchtige Be⸗ kümmerniſſe möchten ſich in ihm geregt baben, und ſie zitterte für ihn und ſeine neugebornen Tugenden; aber ſie irrte ſich und ſie fühlte das, als er nach einer kur⸗ zen Pauſe hinzufügte:

Bloß um ihretwillen iſt mir bange um die Zu⸗ kunft. Ich habe viel zu ſühnen, und da ſie durch hei⸗ lige Bande an mich geknüpft iſt, ſowie durch eine Liebe, welche Dinge überlebt hat, die eine gewoͤhnliche Nei⸗ gung zerſtört haben würden, ſo mag ſie leider mit mir und durch mich noch viel zu dulden haben; aber ich kann, ſelbſt von di ſem Standpunkte aus, der Reue durchaus keinen Raum geben. Ich kenne ſie, denn ich habe ſie geprüft und in der ſchrankenloſen Hingebung meines ganzen Herzens und Weſens, in den neuen Urberzengungen, den neuen Gefühlen, welche allmälig Beſitz von meiner Seele ergriffen und, das glaube ich feſt, durch die Leiden der letzten paar Tage eine unzer⸗ ſtörbare Kraft gewonnen haben, wird, das glaube ich ſo feſt, als ich an ihre Treue und Tugend glaube, ge⸗ nug liegen, um ſie dafür zu tröſten, daß ſie das Schick⸗ ſal eines ruinirten, ſchuldbeladenen, aber reuevollen Gatten theilen muß.

Er hielt inne und heftete ſeine Augen auf Ginevra's Zimmer mit einem Ausdruck, der ſeine Schweſter innig ergriff. Nach einigen Sekunden ſagte ſie mit tiefbe⸗ wegter Stimme:

Ich bin erfreut, daß Du mir das Alles geſagt haſt, Edmund; ich bin ſehr froh, daß ich Dich nicht unterbrach. Die Geſinnungen und Entſchlüſſe, die Du

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