193
untergangs noch nie zuvor ſo tief empfunden. Sein Geiſt war müde von den Abwechſelungen von Furcht und Hoffnung, von Kummer und Freude, und ruhigere Gefühle begannen in ſeinem Herzen ſich zu regen. Er wandelte mit ſeiner Schmeſter den ſchattigen Pfad ent⸗ lang, welcher hinter der Wieſe lag, über die ſie gegan⸗ gen waren, und am Nande dieſes Feldes fanden ſie die Stämme einiger Bäume, die allda gefällt worden, und ſetzten ſich, um auszuruhen. Keines von Beiden ſchien zuerſt fähig, mehr als einige Worte vorzubringen, und zwar ſolche, die ſich weder auf die Vergangenheit, noch auf die Zukunft bezogen. Beide ſchauten oft nach dem Fenſter von Ginevra's Zimmer. Der Gegenſtand ſchien beinahe zu ſchmerzlich oder zu beilig, um ihn zu be⸗ ſprechen; aber Edmund fühlte, daß ſie keinerlei Art von Rückhaltſamkeit unter ſich aufkommen laſſen durften, und daß es für den künftigen Seelenfrieden und die Wohlfahrt Beider am allerbeſten war, wenn ſie ſo bald als möglich offen und ruhig ihre gegenſeitige Stellung beſprachen. Er gewann es daher über ſich und ſagte, ohne ſie anzuſehen:
„Anna, ich weiß, Du wirſt kein harter Gläubiger ſein, und ich bin überzeugt, Du wirſt mir ſogar eine Heldſumms leihen, womit ich ein neues Leben beginnen ann.“
„Iſt das nicht zu früh, davon zu ſprechen?“ ſagte ſte mit einiger Aufregung.
„Nein,“ verſetzte er mit mehr Ruhe und Ernſt,„es iſt beſſer, gleich von Anfang an Allem in'’s Auge zu ſchauen. Mein künftiges Schickſal muß theilweiſe von Ginevra und den Wünſchen ihrer Familie abhängen. Ich weiß, ſie wird mich nie verlaſſen, aber ich will ſie nicht zu einer langen Verbannung verdammen, wenn man ein Mittel finden kann, wie ich in England oder Italien anſtändig mit ihr leben kann; mein eigener Wunſch wäre jedoch, eine Beſchäftigung in Amerika zu erhalten oder als Emigrant in Ceylon oder Auſtralien
Schloß Grantley. II. 13


