Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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ging durch das Zimmer und ſtand einen Augenblick neben dem Bette.

Fürchteſt Du nichts? flüſterte Ginevra, als er fort⸗ während ihre Hand hielt und an ſeine Lippen preßte.

Nichts, als daß Du mir nicht vergeben möchteſt, mein Weib, flüſterte er.

O Edmund! rief ſie und ſchlang ihre Arme um ſeinen Hals; dann ſtieß ſie ihn ein wenig zurück und ſchaute mit einem ängſtlichen Ausdruck in ſein Geſicht. Aber indem ſie ſich beſtändig feſt an ihn klammerte, gleich als fürchtete ſie, ihn gehen zu laſſen, flüſterte ſie:Ed⸗ mund, biſt Du ruinirt?

Ruinirt an Vermögen, aber reich an Glück, mein Schatz, antwortete er, und ſie las in ſeinen Augen die Wahiheit deſſen, was er ſagte.Ginevra, Theuerſte, Du wirſt bei Deinem Vater für mich ſprechen. Vater Fran⸗ cesco hat mir verziehen und er weiß Alles.

Es iſt alſo kein Traum; Du ſprichſt von meinem

Vater; Du haſt meinen Onkel geſehen; Du erſchrickſt nicht und eilſt nicht hinweg, wenn Andere uns zu nahe kommen ich war ſo froh, zu ſterben, und jetzt ein ſchwa⸗ ches Lächeln fuhr über ihre blaſſen Züge; ſie heftete ihre Augen auf die ſeinigen und flüſterte:Jetzt bin ich froh, zu leben. 1 Er preßte ſie wieder an ſein Herz; Beider Thränen floſſen ſtill; ſeine Liebkoſungen und ſeine geflüſterten Seg⸗ nungen ſchienen ihren zitternden Geiſt von den Grenzen des Todes zu den Gebilden des Lebens zurückzurufen. Nur mit Mühe konnte ſpäter am Tage Mrs. Neville ihren Bruder aus Ginevra's Zimmer wegziehen und ihn überreden, ſich eine Weile im Freien hinter dem Hauſe, wo ſie ſich befanden, zu ergehen. Es war ein ruhiger,

lieblicher Abend, und als Edmund Neville jenen Blick auf⸗

wärts zum Himmel richtete, worin die innigſte Dankſagung liegt, die ein Menſch ſeinem Schöpfer darbringen kann, da

hatte er den Einfluß der Natur zur Stunde des Sonnen⸗