Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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als ſie auf den ſtrengen, unerſchütterlichen Proteſtantismus

ihrer Familie und den rechtſchaffenen Charakter des Man⸗

nes anſpielte, welcher unbewußt ſo ſchreckliche Leiden über Andere gebracht hatte, da erhoben ſich ihre Augen wieder und ihre Stimme wurde feſt. Sie ſah das unſelige Re⸗ ſultat vieljähriger Vorurtheile und erblichen Haſſes, und ſie bejammerte es tief, aber ſie erröthete nicht für einen Vater, deſſen Ueberzeugungen aufrichtig und deſſen Beweg⸗ gründe gewiſſenhaft und rein geweſen waren. Als ihr Gatte kam, überließ ſie es ihm, dem Pater Francesco aus⸗ führlicher die Lage zu ſchildern, in welche Edmund verſetzt war, ſowie die Umſtände, welche Ginevra's Rückkehr zu ihrem Gatten auf eine ſo außerordentliche Weiſe herbeige⸗ führt und, nachdem ſie ſie an den Rand des Grabes ge⸗ bracht, ſie ſchließlich in die Stellung verſetzt hatten, welche ſie ſchon lange hätte einnehmen müſſen. Er hörte mit einem Gefühl tiefer Theilnahme die Leiden an, die ſie überſtanden hatte, noch inniger aber war ſeine Dankbarkeit dafür, daß ſie aus all' dieſen Prüfungen unverdorben her⸗ vorgegangen war und die Krone erworben hatte, welche Deujenigen verheißen iſt, die für die gerechte Sache leiden⸗ Es wurde zwiſchen ihm und Charles Neville verabredet, daß Oberſt Leslie augenblicklich von den Ereigniſſen in Kenntniß geſetzt werden ſollte, die während ſeiner Abreiſe aus England ſtattgefunden hatten, und es wurde zu dieſem Behuf mit Edmund's Wiſſen und Einwilligung ein Bote abgefertigt.

Als Ginevra nach einem langen und erfriſchenden Schlafe erwachte, lag ihre Hand in Edmund's Hand, und an dem Finger dieſer Hand befand ſich der Ehering, wel⸗ chen ſie nie wieder ablegen ſollte.

Träume ich? flüſterte ſie und zog ihn, ihren Arm um ſeinen Hals ſchlingend, näher.Wenn ich träume, ſo wecke mich nicht.

Er küßte ſie wieder, ohne zu ſprechen. Die Wärterin