Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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hatten. Er ſegnete die ſchlafende Ginevra und dann erhob er ſich, um den Platz zu verlaſſen, wo er ſo manche Stunde geduldet und gebetet hatte. Als er das vordere Zimmer betrat, ging Edmund, deſſen Geſicht Spuren der heftigſten Gemüthsbewegung trug, auf ihn zu und ſagte auf Ita⸗ lieniſch:

Vater, Sie haben die ganze Nacht für ſie gebetet. Ich hörte es ich fühlte es.

Ich betete mehr für Sie, als für meine Ginevra, antwortete der Prieſter und fügte einfach, aber mit zittern⸗ der Stimme hinzu:Ich war der Oheim ihrer Mutter und kam in dieſes Land, um ſie zu ſuchen.

Vater Francesco! rief Edmund aufgeregt.

Ich kam, ſie zu ſuchen, wiederholte der alte Mann; nund wie und wo habe ich ſie gefunden?

Edmund barg ſein Geſicht in ſeine Hände.

Sie ſagten, ſie ſei ſein Weib, fügte der Prieſter mit einem ängſtlichen Ausdruck gegen Mrs. Neville hinzu.

Edmund fuhr auf, ergriff ſeinen Arm und rief:.

Sie iſt mein Weib! Werden Sie, wird Gott mir je verzeihen?

Anna blickte ihn mit thränenvollen Augen an und Vater Francesco drückte freundlich ſeine Hand; dann kehrte Edmund zu dem Platze an Ginevra's Seite zurück, wo er ſo viel ausgeſtanden hatte und den er jetzt mit ſo inniger Dankbarkeit einnahm.

Nach einer kurzen Pauſe erzählte Mrs. Neville dem Vater Francesco die Geſchichte ihres Bruders und Gi⸗ nevra's, ſo wie ſie ſelbſt ſie auf ihrer furchtbaren Reiſe von geſtern Abend von ihm vernommen hatte. Ihre Stimme Lterte wenn ſie der Vorurtheile gedachte, welche all' dieſe rübſale hervorgerufen hatten; ihre Wangen glühten vor Schaam und ihre Augen waren auf den Boden geheſtet, als ſie von dem anfänglichen Mangel an moraliſchem Muth und von dem verbrecheriſchen Stillſchweigen ſprach, wodurch der Charalter ihres Bruders ſich ſpaͤter befleckt hatte. Aber