Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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lieben, ſo mögen ſie gegen Edmund freundlich ſein. Laſſen Sie mich zu Ihnen ſprechen, Vater. Gebieten Sie mir nicht, zu ruhen ich werde bald ruhen, aber jetzt hören Sie mich an. Bei Ihren Gebeten bei Ihren Thränen bei der Erinnerung an Diejenige, die er einſt zärtlich liebte bei all' den Leiden, die ich erduldet habe bei dem tiefen, tiefen Glauben, womit ich ſterbe gewinnen Sie ihn für die Buße, für die Hoffnung, für die Wahr⸗ heit. Ve fahren Sie ſanft gegen ihn, und wenn der Tag kommen ſollte, wo er die Wahrheit ſieht, wie ich ſie ſehe wie wir ſie ſehen, theurer Vater dann ſagen Sie ihm, daß ich in dieſer meiner Todesſtunde es vorherſah und freudig war.

Ein Ausdruck der Freude fuhr über Ginevra's Ge⸗ ſicht, als ſie dieſe letzten Worte ſprach. Sie heftete ihre Augen aufwärts mit einem feſten Blick, der einige Minu⸗ ten währte; dann verſank ſie in Bewußtloſigkeit zurück und der Doktor wurde ſchnell gerufen.

Zwei Stunden ſpäter, als Vater Francesco, der auf einige Minuten in ſein eigenes Haus geeilt war, das vor⸗ dere Zimmer betrat, traf er dort eine in tiefe Trauer ge⸗ kleidete Dame, deren Miene und Haltung die tieſſte Theil⸗ nahme und Angſt verrieth. Sie erhob ſich, als er heran⸗ nahte, und ſagte, auf ſein Kleid blickend, in zugleich ruhigem und ehrfurchtsvollem Tone:

Darf ich fragen, mein Herr, ob Sie der Prieſter ſind, welcher die Frau meines Bruders getröſtet hat?

Er blickte ſie feſt und ſtark an, und in einem Tone, welcher Mrs. Neville's Herz durchbebte, gleich als wäre ſie ſelbſt die ſchuldige Perſon geweſen, nach welcher er fragte, antwortete er:

Ja, Madame, wo iſt Ihr Bruder?

Dort, ſagte ſie, auf das nächſte Zimmer deutend, und unfähig, ihre Thränen zurückzuhalten.Dort, er be⸗ trachtet verzweiflungsvoll ihren bewußtloſen Körper eine