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ohne eine irdiſche Sorge oder Freude, die eine Wolke oder einen Strahl auf den Reſt ſeiner Tage werfen konnte.
Als die Nacht voranſchritt, wurde Ginevra ſchnell ſchlimmer, aber zu gleicher Zeit ſchien ihr Geiſt klarer und ihr Gedächtniß genauer zu werden. Der Doktor kam wieder und ſchaute aͤngſtlich auf ſeine Uhr, als berechnete er die wahrſcheinliche Zeit von Edmund's Rückkehr. Er ſprach leiſe zu Mrs. Atkinſon und verordnete Einiges in Betreff ſeiner Patientin. Im Falle eine weitere Verän⸗ derung einträte, ſo ſollte man ihn augenblicklich beſchicken; er ri, daß man ſie ihre religiöſen Pflichten ſogleich er⸗ fune ſocen ſolle, da ſie nun jeden Augenblick in Be⸗ wußtlen zeit zurückverſinken könne.
Die heiligen Gebräuche waren verrichtet worden. Ihm, der ihre erſte Beichte empfangen, hatte Ginevra ihre letzte abgelegt, und niemals waren die Worte der Vergebung mit einer heiligeren Macht in ihr Herz hinabgeſtiegen, als in dieſer Stunde, wo das Leben zurückwich und die Ewig⸗ keit herannahte. Das letzte geſegnete Sacrament war em⸗ pfangen und die letzte Oelung ihr verliehen worden— die Seele war geſtärkt zu ihrem letzten Kampſe, und das Licht einer andern Welt hatte ihren Augen vorgeſchim⸗ mert. Für einen Augenblick ſchien ihre Kraft zurückzukeh⸗ ren— ſie ſtreckte ihre Hand gegen den Prieſter aus und winkte ihm, ſich an ihre Seite zu ſetzen. Er kam und ſie beugte ihr Haupt, während er ſie inbrünſtig ſegnete; dann erhob ſie es wieder, heftete ihre Augen auf ihn und ſprach mit leiſer, aber deutlicher Stimme:
„Vater, ich bin im Begriff zu ſterben, ich fühle es — ich weiß es. Und nie habe ich Gott für eine irdiſche Segnung gedankt, wie ich ihm dafür danke. Aber eine Bitte habe ich an Sie zu richten, und wenn Sie mich lieben, wie ich weiß, daß Sie mich lieben,“ fügte ſie hin⸗ zu, während die Thränen des alten Mannes über ſeine


