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Barmherzigkeit mit ihm. Sie zog ſich einen Augenblick mit ihrem Gatten zurück und ſagte leiſe zu ihm:
„Soll ich jetzt mit ihm ſprechen?“
„Das mußt Du ſelbſt beurtheilen,“ erwiederte er und in einem Augenblick war ſie im Wagen ihres Bruders, in raſcher Fahrt nach London begriffen.
Auf Anna und ihren Gatten hatten die Entdeckungen dieſes Tages mehr aufregend als überraſchend gewirkt, denn Beide hatten die Wahrheit längſt geahnt, die ihnen auf ſolche Art enthüllt worden war.
Zehntes Capitel.
Ginevra hatte mehrere Stunden geſchlafen, und erſt ungefähr eine Stunde, nachdem Edmund nach Haſtings abgefahren war, öffnete ſie ihre Augen. Sie ſchweiften in ſtiller Verwunderung im Zimmer umher, wo ſie lag— endlich ruhten ſie auf dem Geſichte der alten Frau, welche die ganze Nacht an ihrer Seite gewacht hatte und deren Züge ihr fremd waren. Zu ſchwach, um zu ſpre⸗ chen, oder beinahe um zu denken, verſchloß ſie ihre Augen wieder und ſeufzte tief. Mrs. Atkinſon, deren Herz gegen ihren eigenen Willen allmälig warm geworden war für ihre Pflegbefohlene, beugte ſich über ſie und ſagte in be⸗ ſchwichtigendem Tone:
„Sind Sie beſſer, meine Liebe?“
Ginevra ſchaute ihr mit wirrem, aber bewußtem Aus⸗ druck in's Geſicht, dann erhob ſie mit Schwierigkeit ihre dünnen Hände an ihr Haupt, preßte ſie an ihre Schläfe, und da ſie fand, daß ihr Haar verſchwunden war, begann ſie zu zittern.
„Bin ich wahnſinnig geweſen?“ flüſterte ſie.
„Nein, nein, meine Liebe, es war bloß ein Fieber; es iſt jetzt vorüber und—ℳ


