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gen. Ich fing ſie eben noch in meinen Armen auf, als ein Hirnfieber in ihr wüthete. In Gnaden oder im Zorn wurde ſie zu mir geſandt, um vor meinen Augen zu ſter⸗ ben. Ich weiß nichts mehr, als daß ſie wirklich am Sterben iſt, und daß mein eigenes Hirn dem Wahnſinn verfällt und mein Herz nahe daran iſt, zu brechen.
Anna ſeufzte tief. Seltſame Gedanken kamen ihr, daß die Wege Gottes nicht die Wege des Menſchen ſind, daß die Menſchen durch ihre übeln Thaten verderben, was der Himmel angeordnet; Gedanken von einer geheimniß⸗ vollen Vorſehung, welche zur Rache oder aus Barmher⸗ zigkeit die Leidenſchaften der Menſchenherzen beherrſche— von gnädigen Beſchlüſſen, die ein verblendeter Eigenwille verwirft— aber ſie ſagte bloß:„Es wird Dir Gnade er⸗ wieſen werden, Bruder, denn Deine Leiden ſind groß.“
In dieſem Augenblick trat ihr Gatte in's Zimmer. Eine brennende Röthe fuhr über Edmund's Wangen, eine krampfhaſte Aufregung zeigte ſich auf ſeinem Geſichte; aber er trat zu ſeinem Vetter hin und ſchüttelte ihm die Hand, dann wandte er ſich zu’ ſeiner Schweſter und ſagte mit feſter Stimme:
„Der Himmel ſegne Dich, Anna, für die Barm⸗ herzigkeit, die Du mir erwieſen haſt. Sage ihm, welch ein verbrecheriſcher Wicht ich geweſen, welch ein erbärm⸗ licher Wicht ich noch bin, und betet Beide für mich— daß Ginevra—“
Mehr konnte er nicht ſagen und er ſchritt nach der Thüre zu. Anna flüſterte ihrem Gatten einige Worte zu, dann berührte ſie ihres Bruders Arm und ſagte ſanft:
„Ich gehe mit Dir, Edmund. Warte einen Augen⸗ blick, bis ich mich fertig gemacht habe. Charles wird uns in wenigen Stunden folgen.“
Edmund ſchloß ſie in ſeine Arme, denn die Hoff⸗ nung lebte neu auf in ſeinem Herzen. Als ſie ihren Arm in den ſeinigen legte, war es ihm, als hätte der Himmel


