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„Wo iſt ſie, Edmund?”“
„Im Hauſe der Mrs. Atkinſon. Ich brachte ſie an Deinem Hochzeittage dorthin. In dem Augenblick, wo ich plötzlich Deine Seite verließ, war ſie mir wie eine Viſion erſchienen; ich hatte ſie an der Kirchthüre geſehen, und als ich ſie erreichte, konnte ſie nicht ſprechen, konnte ſie nicht klagen— ihr Geiſt war angegriffen. Ich litt— Gott allein weiß, was ich gelitten habe. Anna, Du kannſt nie, nie den Jammer begreifen, den ich ausgeſtan⸗ den habe.“
Sie fuhr mit ihrer Hand über ſeine Stirne und ihre Thränen blendeten ſie beinahe; denn es befanden ſich viele graue Haare unter dieſen Locken, die vor drei Tagen noch ſo ſchwarz wie Rabenfedern geweſen waren.
„Ich frage nichts danach, was aus mir wird,“ fuhr er fort;„es iſt nicht Armuth, nicht Wahrheitsliebe, nicht Reue, was mich hierher gebracht hat, ſondern bloß Elend — ein Elend, ſo tief, ſo bodenlos, ſo unſäglich, daß es alle irdiſchen Beſitzungen für mich werthlos gemacht hat. Aber ich weiß, Du vergibſt mir,“ fuhr er fort, indem er ihre Hand an ſeine Lippen erhob,„ich weiß, Du fühlſt für mich, obſchon ich ein Betrüger bin.“
„O Bruder, Bruder!“ rief ſie und verbarg ihr Ge⸗ ficht an ſeiner Bruſt; dann erhob ſie ihr Haupt und ſagte in ernſtem Tone:„Du haſt jetzt geſprochen, während Du für immer hätteſt ſchweigen können.“
t„Jetzt ſchweigen? O Anna, Du weißt nicht, was ſie iſt, Du weißt nicht, was ich gethan habe. Wenn ich ſie verliere— es wäre mehr, als ich ertragen kann, und doch ſehe ich's kommen.“
Er ſchauderte und fiel in einen Stuhl, ſein Geſicht mit ſeinen Händen bedeckend. Anna kniete an ſeiner Seite nieder und fragte dann mit gedämpfter Stimme:
„Wie kommt es, daß ſie in England iſt?— ihr Vater und ihre Schweſter ſind auf Reiſen.“
„
„Ich weiß es nicht, Anna— ich kann es nicht ſa⸗


