gen und bot ihm freundlich, doch kalt ihre Hand. Er ſah jedoch ſo ſchrecklich übel aus, daß ſie ſehr ängſtlich wurde; aber nicht gewöhnt, ihren Gefühlen Luft zu machen, ſetzte ſie ſich wieder und begann von gleichgültigen Dingen zu ſprechen. Er erwiederte kein Wort, ſondern blieb am Ka⸗ min ſtehen, ſeine Blicke auf die Uhr geheftet und augen⸗ ſcheinlich ohne Bewußtſein ihrer Gegenwart.
Endlich ſagte ſie:„Ich will Charles ſagen laſſen, daß Du hier biſt;“ und ſie erhob ſich, um zu klingeln. Er griff ihr in den Arm und ſagte ſchnell:
„Trage eine Weile Geduld mit mir; ich kann nur dieſen Augenblick bei Dir ſein— mein Weib liegt am Sterben.“ 3
Mrs. Neville ſprach kein Wort, ſondern holte tief dihen und ſchlug ihre Hände zuſammen. Er fuhr haſtig ort: „Du kannſt Dir denken, warum ich hier bin. Ich ſollte Dich um Verzeihung bitten; denn ich habe Dich getäuſcht und betrogen,“— ſie machte eine ungeduldige Gebe de, und er ſuhr alſo fert:—„Ich bin ſeit einem Jahre mit Oberſt Leslie's Tochter vermählt. Sie iſt eine Katho⸗ likin. Das Uebrige weißt Du. Du kannſt mich nicht halb ſo ſehr haſſen und verachten, als ich ſelbſt mich haſſe und verachte.“ 4
Er beſchattete ſein Geſicht mit ſeiner Hand und lehnte ſich an das Kamin. Sie ſchaute ihn inen Augenblick ernſt an, dann ging ſie zu ihm, legte ſeine Hand auf ſeine Schulter und ſagte:
„Bruder!“
. Iic warf ſich in ihre Arme und Beide weinien bit⸗ erlich. 4
„Vergibſt Du mir, Anna?“ murmelte er.
Sie legte ihre Stirne an ſeine Schulter und brach wiederum in Thränen aus.
„Du würdeſt mir vergeben, wenn Du wüßteſt, wie elend ich bin— ſie iſt ſo krank.“


