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Schutz finden; dann aber fuhr ſie in wilder Angſt zurück und bedeckte ihr Geſicht mit ihren brennenden Händen, gleich als hätte eine Viſton ſie geſchreckt. Die Angſt, die ſeine Anweſenheit, ſeine geflüſterten Worte in ihr zu erre⸗ gen ſchienen, vergrößerte ſich mit jeder Stunde, und als endlich die Aerzte kamen, nöthigten ſie ihn von ihrer Seite hinweg und verboten ihm, ſo zu ſtehen, daß ſie ihn ſehen, oder ſo zu ſprechen, daß ſie ihn hören konnte. Dann wurden ſeine Leiden noch qualvoller, als er allein in der vordern Stube dieſes dunkeln Hauſes ſaß. Wenn Herzeleid, das man Anderen zugefügt hat, durch dasjenige geſühnt werden kann, das man ſelbſt ausſteht, ſo büßte Edmund dieſe Nacht für alle Leiden, die er ſeinem Weibe bereitet hatte. Das Bewußtſein, daß er, wenn er ſie ver⸗ lor(und in den Worten und auf den Geſichtern Aller, die ſich ihm näherten, ſuchte er vergebens einen Strahl von Hoffnung, daß er ſie nicht verlieren würde), der unglück⸗ ſeligſte Menſch ſein würde, welcher je auf Erden gewan⸗ 1 3
elt— des einzig einen Weſens beraubt, das er wirklich
liebte— verlaſſen, einſam, mit ſo viel Glauben an die Wahrheit deſſen, für was ſie gelebt hatte und geſtorben war, um von ewigen Gewiſſensbiſſen gequält zu werden, und doch nicht mit Glauben genug, um aus dem Abgrund der Verzweiflung erhoben zu werden— das waren die Ahnungen und Viſionen dieſer langen Nacht, welche durch nichts unterbrochen wurden als durch das Getöne ihrer Stimme, die ſelbſt mitten in den Ausbrüchen des Deli⸗ riums ihn rief und beſchwor, ſie nicht zu verlaſſen.
Nach zwei Tagen und Nächten eines Jammers, wie ihn gewiſſermaßen Viele überſtanden, wie ihn vielleicht Alle bis auf einen gewiſſen Grad kennen gelernt haben, nur daß er, dem Himmel ſei Dank! nicht mit dem Wi⸗
derhaken unerträglicher Gewiſſensqual verbunden war,
hörte er, daß die Heftigkeit des Fiebers nachgelaſſen hatte, und daß ein Schein von Bewußtſein zurückgekehrt war; aber andere Symptome hatten ſich eingeſtellt, welche die


