Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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ihren Leib ſchlang und ihr in die Augen blickte, bis er ſie mit einem Kuſſe losließ und langſam aus dem Zimmer ſchritt. Mit wankenden Schritten erreichte ſie ihr eigenes. Ihr Herz wurde ohnmächtig in ihr. Die Hoffnung iſt zuweilen noch ſchwerer zu ertragen als die Furcht, oder vielmehr ſie ſind beide ſo eng verbunden, daß jede von der andern ihre ſchärfſten Empfindungen borgt. Ginevra er⸗ brach das Siegel und las wie folgt:

„Von dem Geiſte, in welchem Du dieſen Brief empfangen und leſen wirſt, hängt ſo viel ab, daß ich Dich erſuche, innezuhalten, beor Du Deinen Ge⸗ fühlen Raum gibſt und es für eine ausgemachte Wahr⸗ heit hältſt, daß die beſte. und höchſte Weisheit darin beſteht, an einem vorausgefaßten Entſchluß unter allen Umſtänden feſtzuhalten. Ich fühlte nie mehr Liebe zu Dir, als in dieſem Augenblicke. Alles was Du mir ſeit der erſten Stunde unſerer Bekanntſchaft geweſen, ſchwebt mei⸗ nem Geiſte vor, Deine Sanftheit, Deine heroiſche Geduld und Deine großherzige Nachſicht unter den trübſeligſten Umſtänden. Ich laſſe den Grundſätzen, welche Dich fort⸗ während geleitet haben, volle Gerechtigkeit widerfahren. Ich kann ſogar den Widerſtand ſchätzen und verehren, den Du bisher meinen Bitten in Betreff eines Punktes ent⸗ gegengeſtellt haſt, bei welchem Deine Gefuhle vortrefflich ſind, aber ein falſches Urtheil Dich irre leitet. So oft wir auf dieſen Punkt zu ſprechen kamen, haben wir beider⸗ ſeits ihn nicht mit der genügenden Ruhe oder der Leiden⸗ ſchaftsloſigkeit, welche er erfordert, in's Auge gefaßt. Es iſt allerdings ſchwer, ruhig zu ſein, wenn von der Ent⸗ ſcheidung eines Andern das Glück oder das Elend eines ganzen Lebens abhängt, und wenn die Hinderniſſe, welche gegen das einzig ſichere und geeignete Verfahren erhoben werden, das Ergebniß eines beklagenswerthen Vorurtheils und Irrthums ſind. Du weißt wohl, auf was ich an⸗ ſpiele, aber ich muß Dich benachrichtigen, daß die Gründe, welche ich früher mit ſolchem Ernſt Deiner reifen Ueber⸗

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