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„heben Sie Ihr geheimnißvolles Gemälde auf und ver⸗ bergen Sie es vor allen zudringlichen Beobachtern.“
„Hat Margaret irgend Geheimniſſe?“ ſagte Walter mit einem freundlichen Lächeln, das ſich bald in einen ernſthaften Ausdruck verwandelte, als er ihren ſichtlichen Verdruß beobachtete, ſowie die Schnelligkeit, womit ſie ihr Zeichnungsmaterial zuſammenwarf und ſprachlos aus dem Zimmer eilte.
„Margaret's Temperament hat ſich auffallend verän⸗ dert,“ ſagte Mand, als die Thüre ſich hinter ihr ver⸗ ſchloſſen hatte.
„Ihr Temperament wird auf auffallende Proben ge⸗
ſtellt,“ antwortete Walter, welcher Maud's halb freund⸗ ſchaftliche und halb neckende Art ſie zu verfolgen beobachtet hatte. Sie verſtand, was er meinte, und antwortete gleich⸗ gültig: „ Ja, ich fürchte, ſie iſt ſchrecklich verliebt in Edmund Neville.“ Nachdem, ſie auf dieſe Weiſe in einer Stunde mehr als einem⸗ blutige Stiche verſetzt, nahm ſie eine franzöſiſche Novelle vom Tiſch, und mit ihren Füßen auf dem Wärmer, die Hand auf der Lehne eines Arm⸗ ſtuhls, widmete ſie den Reſt des Morgens dieſer aus⸗ ſchließlichen Beſchäftigung. Mittlerweile hatte Margaret in der Einſamkeit ihres eigenen Zimmers den Gedanken nachgehangen, welche der Anblick von Edmund's Zeich⸗ nung in ihr aufgeregt hatte, und eine Art halb inſtinkt⸗ mäßiger, halb unklarer Ahnung flüſterte ihr zu, daß ihre Schweſter mehr Gegenſtand einer Sünde als ſelbſt Sün⸗ derin ſei, und erweckte in ihr ein inniges Verlangen die Wahrheit zu ermitteln und das Geheimniß außzuklären, das über Ginevra's Handlungen ſchwebte.
Vom Augenblick an, wo dieſer Gedanke ſich in ihr feſtſetzte, fühlte ſie ſich weniger von Verdruß und Kummer überwältigt; die letzten zwölf Stunden waren die pein⸗ lichſten geweſen, welche ſie je zugebracht hatte. Ihre Liebe zu Edmund war nicht in langſamen Abſtufungen


