Teil eines Werkes 
5.-7. Bändchen (1851)
Entstehung
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einer der Advocaten, welcher zugegen geweſen war, gegen einen Geiſtlichen, in deſſen Hauſe er den Thee trank, man habe an Charles Neville's wechſelnder Farbe, ſowie der Aufmerkſamkeit, womit er ſeinen Vetter bevbachtet und der unmuhigen Art, wie er ſich auf ſeinem Stuhle bewegt, leicht erſehen können, daß das Teſtament ihm nicht gleich⸗ gültig geweſen; dagegen habe Mr. Edmund, ſelbſt bei den unbedeutendſten Einzelnheiten ſo unbekümmert und in ſeine eigenen Gedanken vertieft geſchienen, daß man ihm ſeine ſichtliche Zufriedenheit und ganz und gar keine Ver⸗ wunderung über die Beſtimmungen des Teſtamentes wohl angemerkt habe.

Als Eomund die letzte Perſon aus dem Hauſe gehen geſehen hatte und allein gegenüber dem Feuer in dem alt⸗ modiſchen Salon ſtand, lehnte er ſeinen Kopf gegen das Kamin und betrachtete die lodernde und funkelnde Flamme mit einem dumpfen Gefühl des Elends, welches ihn all⸗ mälig zu beſchleichen und von ſeinem Geiſte Beſitz zu nehmen ſchien. Er fühlte ſich in dieſem Augenblick gänz⸗ lich unfähig, ſich einen klaren Begriff von ſeiner Stellung zu bilden, und noch unfähiger, den einzigen ehrenhaften Weg einzuſchlagen, der ihm jetzt übrig blieb; er ſah im Gegentheil ſein Heil nur in einer verzweifelten Anſtren⸗ gung ſeine Ehe zu verbergen, wenigſtens bis er Zeit hätte, die ganze Tragweite der Sache zu überlegen, und bis er alle Mittel, Bitten, Drohungen, die ganze Gewalt, welche ihre Jugend und Liebe in ſeine Hände gelegt hatten, auf⸗ geboten haben würde, um Ginevra zu überreden oder zu zwingen, daß ſie ihrer Religion entſagen ſollte. Dies war der ſtille Vorſatz ſeines Herzens, der einzige Hoff⸗ nungsſtrahl, der es noch erwärmte. Ihre unbegrenzte Hingebung gegen ihn, ihre unbedingte Unterwerfung unter ſeinen Willen in allen Punkten mit Ausnahme des ein⸗ zigen, in welchem er ſie bis jetzt unbeugſam gefunden, ſchien eine Ausſicht auf eventuellen Erfolg oder wenigſtens gewiſſe Bürgſchaften gegen jede von Ginevra's Seite aus⸗